Buchverlag

Der Privatverlag als Sonderform des Buchverlags

Ein Verlag ist eine gewerbliche Betriebsform, deren Aufgabe es ist, Werke der Literatur, Kunst, Musik oder Wissenschaft herzustellen, zu vervielfältigen und zu verbreiten. Die wohl häufigste Form des Verlages ist der Buchverlag.

In erster Linie stellen Buchverlage in Zusammenarbeit mit den Autoren  Druckwerke her, vereinbaren die Rechte an den Werken und sorgen für deren Verbreitung, durch Werbung und Vertrieb. Der heutige Buchverlag nutzt aber häufig das gesamte Spektrum der modernen Medien und produziert u.a. auch Kalender, Hörbücher, DVDs, Spiele und Online-Angebote. Ein Buchverlag ist demnach ein Medienunternehmen, dass Druckwerke produziert, bewirbt, vertreibt und sich um die Rechte der Autoren kümmert.

Die klassische Form des Buchverlags ist der Programmverlag, der sich durch die Spezialisierung auf bestimmte Themen oder Genres die jeweilige Position des Verlages auf dem Buchmarkt sichert.
Mehr als 80.000 neue Buchtitel erscheinen pro Jahr in Deutschland. Diese Zahl entspricht nur etwa zehn Prozent aller eingesandten Manuskripte – die übrigen 90 Prozent haben kaum Chancen, einen Verlag für ihr Buch zu finden. Sinkende Auflagen, kürzere Aktualisierungszyklen und hohe Lagerkosten zwingen die Verlage, immer strenger zu kalkulieren. Zudem nehmen Lyrik und Anthologien in den Programmen einen immer bescheideneren Platz ein.

Hier setzt das Modell des Privatverlages an, dass die Risikobeteiligung zwischen Autor und Verlag aufteilt. Der Buchverlag trägt nicht das gesamte finanzielle Risiko an der Publikation und kann somit auch unbekanntere Autoren fördern, die sonst nur geringe Chancen haben, ihr Manuskript in einem der großen Buchverlage unterzubringen.

Das Modell des Privatverlages hat neben der Unterstützung des Autors auch eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Es ermöglicht, aktives Schreiben zu stärken, sodass Mitglieder unserer Gesellschaft nicht nur konsumieren, sondern aktiv am kulturellen Geschehen teilhaben können. Das trägt zur kulturellen Identifikation ganz wesentlich bei. Der Schreibvorgang wirkt über das literarische Schreiben hinaus und setzt z. B. beim autobiografischen Schreiben von Zeitzeugen und beim Heilen durch Schreiben besondere Kräfte frei. – So entstehen Breite in der kulturellen Entwicklung und zudem Vielfalt in der Literaturlandschaft.

Kultur entsteht in vielen Köpfen und muss dies auch. Sie bedarf der Unterstützung, der vielfältigen Ermutigung, des engagierten vorurteilslosen Tuns. Etwa wie – um einen Vergleich aus zwei völlig anderen Bereichen heranzuziehen – beim Breitensport und der großen qualitätsvollen Szene der engagierten Laienmusiker. Das Modell des Privatverlags als bewusstes Gegenmodell zum Programmverlag ermöglicht dies und macht ihn damit zu einem Buchverlag für alle.


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