Das Gen beim Stein von WittGenstein

Surrealistische Gedichte
Reihe: Lyrik
64 Seiten, Taschenbuch (Paperback)
EUR 6,80 · ISBN 978-3-8280-2643-8

Der Wille war da, das Codewort fehlte


Der Wegmacher steht mitten auf der Straße und spielt mit der Schaufel. Johann Wolfgang Goethe versucht, an ihm vorbeizukommen.
– Was soll das? Lassen Sie mich durch!
Der Wegmacher setzt eine heitere Miene auf.
– Wie heißt das Codewort, bitte sehr?
Goethe zieht erstaunt die Augenbrauen hoch.
– Das Codewort? Haben Sie überhaupt eine Ahnung, wer ich bin?
– Ein Tourist, vermutet der Wegmacher.
– Nein, ich bin Goethe.
– Das ist vielleicht Ihr Name, aber leider nicht das Codewort, bedauert der Wegmacher.
– Ich muss unbedingt auf den Berg. Das Wetter ist ideal für Mücken, erklärt Goethe, ich habe es im Gefühl, dass ich heute eine unbekannte Dungmückenart entdecken werde.
– Ding, Dang, Dung, das Codewort, singt der Wegmacher.
Goethe deutet auf den Südhang.
– Da vorne ist eine Mücke, die ich noch nie gesehen habe.
Der Wegmacher verharrt ungerührt.
– Es gibt viele Mücken, die ich noch nie gesehen habe.
Goethe macht ihm ein Angebot.
– Wenn Sie mich durchlassen, werde ich die Mücke nach Ihnen benennen.
– Es genügt, wenn Sie das Codewort nennen, erwidert der Wegmacher.
Goethe klaubt das Notizbuch aus der Tasche.
– Ich könnte Ihnen auch ein Gedicht widmen. Sie haben einen starken Rücken und sind viel schöner als die Mücken.
Eine unbekannte Dungmücke der Gattung Rhexosa setzt sich auf Goethes Hand. Irritiert schwirrt sie wieder auf.
– Gerade wollte ich mich von dir entdecken lassen. Ja nun, wenn du die Wegmacher schöner findest, lassen wir es halt sein. Ciao, Goethe!