Druckfrisch: Mit dem Titel „Die russische Frage“ veröffentlicht der russische Verleger und Autor Alexander Lapin im Frieling-Verlag sein erstes Buch in deutscher Sprache.
Die Journalistin Miriam Elmers interviewte den Autor auf der Frankfurter Buchmesse 2011 zu seinem Werk. Hier finden Sie einen Auszug des Gesprächs.
Wie kann das russische
Volk wieder zu alter Größe und Bedeutung finden? Diese Frage treibt Alexander Lapin um. Er geht von der Beobachtung aus, dass das
russische Volk derzeit so schnell schrumpft wie kein anderes auf der Welt und
mit großer Bereitschaft fremden Einflüssen nachgibt.
Dagegen setzt Lapin eine Besinnung auf russische Weisheiten und Prinzipien. Dies schließt eine Rückkehr zum orthodoxen Glauben und selbst zur Monarchie ein. Der Autor geht auch auf das persönliche Miteinander und Alltagsprobleme ein, etwa auf Fragen des Geschlechterverhältnisses, der Kindererziehung und des Alkoholismus.
Auszug aus dem Interview
Miriam Elmers: Was erhoffen Sie sich davon, dass Ihr Buch auch auf Deutsch erschienen ist?
Alexander Lapin: Vom Westen aus sieht man nur die eine Seite. Man sagt immer: Macht es doch so, wie wir es machen. Ich möchte einfach, dass man auch in Deutschland Russland versteht, dass man hinhört und die Realität erkennt.
Miriam Elmers: Und Ihre Ansichten zur Rolle der Frau? Aus deutscher Sicht wirken sie ausgesprochen konservativ.
Alexander Lapin: Ich finde meine Positionen nicht provozierend, es ist das reale Leben. Die Familie ist wichtig – weil es für uns wichtig ist, dass die Nation nicht ausstirbt. In Deutschland und Österreich beispielsweise leben Zehntausende Russinnen, die dorthin geheiratet haben. Sind die Europäer wirklich die besseren Partner für sie? …
Miriam Elmers: Sie sehen viele Probleme in Russland – gibt es auch Lichtblicke?
Alexander Lapin: So wie es heute aussieht, ist der künftige Weg Russlands unbestimmt. Wir wissen nicht, wie die Zukunft aussehen soll oder wird. Aber: Es gibt zum Glück sehr viele Leute, die sind in Russland geblieben - normale Leute, Unternehmer, sie arbeiten, bauen, glauben. Sie sind die Grundlage unserer Gesellschaft, der Mittelstand. Sie haben viel durchgemacht, in den 90er Jahren haben viele ihre Arbeit verloren, ihre Wohnung, oft auch ihre Heimat. Aber: Die meisten haben wieder angefangen zu arbeiten. Das sind die Hoffnungsträger, das ist der gesunde Kern unserer Gesellschaft. …
Alexander Lapin wurde 1952 in der Kabardino-Balkarischen Republik geboren, einer Teilrepublik Russlands. Er arbeitete auf dem Bau, leistete Militärdienst, arbeitete dann nach seinem Studium als Journalist. Lapin war Korrespondent, Chefredakteur und Generaldirektor verschiedener großer Zeitungen und Verlage. Seit 2006 ist er Inhaber der Verlags-AG „Freie Presse“ in Woronesch und zudem Abgeordneter des dortigen Gebietsrates.

Alexander Lapin (Mitte), der russische Inhaber und Generaldirektor der Verlags AG „Freie Presse“, stellt sich den Fragen der Journalistin Miriam Elmers. Alexander Frank, rechts im Bild, der das Buch übersetzt hat, dolmetscht das Interview.
Alexander Lapin:
Die
russische Frage
Ins
Deutsche übertragen von Alexander Frank
Reihe: Politik
und Gesellschaft
272 Seiten, Taschenbuch
(Paperback)
EUR 12,90 · ISBN 978-3-8280-2981-1
