Ein „Freitagsverhältnis“ gewinnt den Zeitzeugenpreis
Drei Berliner und eine Brandenburgerin beim Schreibwettbewerb erfolgreich
Fast 24 000 Frauen leben in Berlin, die älter als neunzig Jahre sind. Die Erlebnisse mit einer dieser Frauen haben Monika Restetzki den Zeitzeugenpreis Berlin-Brandenburg beschert. Ihr Bericht über die Begegnungen mit der alten Dame, die von ihr freitags im Rollstuhl spazieren gefahren wird, haben die Jury des Schreibwettbewerbs überzeugt: Der erste Preis und die Skulptur „Buch der Erinnerung“ gehen in diesem Jahr an Monika Restetzki.
Sie war wie viele andere Berliner und Brandenburger aufgerufen, zum Thema „Ehrenamt“ über ihre Erfahrungen zu berichten. „So ist ein Kaleidoskop des bürgerschaftlichen Engagements in unserer Gesellschaft entstanden“, freut sich der Initiator der Wettbewerbs, der Verleger Dr. Johann-Friedrich Huffmann.

Zeitzeugenpreis Berlin-Brandenburg 2010, Gewinner und Jury
Thessi Aselmeier, Zeitzeugenbörse Berlin; Dr. Helmut Trotnow, AlliiertenMuseum Berlin; Dr. Johann-Friedrich Huffmann, Verleger des Frieling-Verlages Berlin; Irmela Mensah-Schramm, 3. Preisträgerin; Monika Restetzki, 1. Preisträgerin; Ulli Zelle, rbb; Hannelore Kleinschmid, 2. Preisträgerin; Kathrin Kowarsch, Cheflektorin Frieling-Verlag Berlin; Dr. med. Rolf-Jürgen Kühnelt, 3. Preisträger; Rolf Schütte, Protokollchef in der Senatskanzlei beim Regierenden Bürgermeister von Berlin; Dr. Andreas Ludwig, DOKumentationszentrum Alltagskultur der DDR
Neben der Lohnbuchhalterin Monika Restetzki aus Berlin hat die Autorin und Redakteurin Hannelore Kleinschmid aus Oberkrämer im Landkreis Oberhavel den 2. Platz belegt. Sie berichtet von ihrer Arbeit bei der Telefonseelsorge. Den dritten Platz beim Zeitzeugenpreis Berlin-Brandenburg teilen sich die als politische Aktivistin gegen rassistische Schmierereien bekannte Erzieherin Irmela Mensah-Schramm und der Kinderarzt Dr. Rolf-Jürgen Kühnelt, der sich gegen Kinderarmut engagiert. Beide Preisträger kommen aus Berlin.

rbb-Moderator Ulli Zelle mit Gewinnerin des 2. Preises Hannelore Kleinschmid
In ihrem Siegerbeitrag „Mein Freitagsverhältnis“ beschreibt Monika Restetzki wie sich mit der alten Dame aus dem Seniorenheim eine besondere Freundschaft entwickelt. Die Frauen erzählen einander ihre Lebensgeschichten und entdecken gemeinsam den kleinen Kosmos rund um das Seniorenheim. „So wird ohne Pathos Einblick in eine unspektakuläre Form des ehrenamtlichen Engagements gewährt, wie sie vermutlich tausendfach überall in Deutschland anzutreffen ist“, vermutet Dr. Huffmann. „Ohne diese Menschen, die im Stillen ihren freiwilligen Dienst am Mitmenschen leisten, würde unser Gemeinwesen nicht funktionieren.“
Diese Auffassung wurde auch von Brigitte Grothum in ihrer Festansprache zur Preisverleihung vertreten: „Das Ehrenamt war nie so unverzichtbar wie heute“, betonte die Schauspielerin und Intendantin der „Jedermann“-Festspiele in Berlin. „In diesem Jahr, in dem so viel über die Alterspyramide, Sozialfürsorge, Hartz IV und immer wieder über Kranken- und Pflegeversicherung diskutiert wird, finde ich das Thema Ehrenamt gut gewählt.“ Weil der Staat nicht überall wirksam helfen könne, brauche unsere Gesellschaft das gemeinnützige Engagement Einzelner.

Brigitte Grothum, Berliner Schauspielerin, Regisseurin und Schirmherrin des Hospizdienstes Christopherus
Auch Brigitte Grothum ist ehrenamtlich tätig. Sie engagiert sich im Hospizdienst Christopherus, der schwer kranke Menschen und Sterbende begleitet. Den Menschen, die anderen in den letzten Stunden ihres Lebens die Hand reichen, müsse wie den vielen anderen freiwilligen Helfern, die sich in ihrer Freizeit und von der Öffentlichkeit fast unbemerkt engagieren, mehr Aufmerksamkeit zuteil werden, forderte Grothum. „Meine Hochachtung vor diesen Frauen und Männern war und ist grenzenlos.“
Weitere Informationen zum Zeitzeugenpreis Berlin-Brandenburg gibt es im Internet unter www.zeitzeugenpreis.de.
