Gedicht des Monats Dezember

01.12.2010

Menschenträume

von Norbert Peltzer

 


Menschenträume sind nicht minder
Schlimmer dran als Vogelkinder:
Kaum zu sehen im Geäst,
Liegen sie da schwach im Nest.


Träume brauchen Hipp® als Futter,
Sanostol® und gute Butter,
Weil sie andernfalls verwehn,
Noch im Nest zugrunde gehn.


Doch wenn sie nach langen Tagen
Flügge werdend Flügel schlagen,
Glaube ich, dass ganz bestimmt
Jeder Traum dem Nest entklimmt.


Mancher schießt gleich aus der Hüfte,
Sprich: Er jagt da durch die Lüfte,
So als hätt’ er in der Brust
Es doch immer schon gewusst.


Manch ein andrer denkt verschwiegen,
Er müsst’ erst mal Muckis kriegen,
Weshalb dieser auf Verdacht
Erst noch Liegestütze macht.


Andre, erst auf allen vieren,
Wolln auf Wolken balancieren.
Bald schon geht’s auf zwein, das reicht;
Es ist cool und kinderleicht!


Träume, schwebend oder klotzend,
Aber vor Gesundheit strotzend,
Freun die kindliche Natur
Und die Alten staunen nur.

Und wenn Menschen mal auf Erden
Wieder Menschen-Kinder werden,
Werden sie die Träume sehn –
Fliegend oder aufrecht gehn.

 

 

 

Gedicht entnommen aus:

Norbert Peltzer:
Die Mundart Gottes

Gedichte
Reihe: Lyrik
64 Seiten, Taschenbuch (Paperback)
EUR 6,90 · ISBN 978-3-8280-2870-8