Gedicht des Monats Januar
Aus ganz dünnem Eis
August Abegg hängt Eisscheiben
in den Haselstrauch,
die der Wind bewegt.
Sie drehen sich und spiegeln das Licht,
verzerren es,
bevor es farbig bricht.
Eine Libelle fällt vom Himmel,
Straßenlaternen, ein Reklameschild
und Neonröhren.
Ein Wäldchen wächst
zwischen den zerfallenen Fahrzeugen hoch
und Farne, Moos und Efeu
überziehen Blech und Autoreifen.
Abegg legt Fotoapparate
in die rostigen Autos.
Die Zeit festzuhalten,
versucht er vergeblich.
Während er aus Katzenhaar
einen fliegenden Teppich webt,
rupft die Libelle wie verrückt an ihrer Harfe.
Dann geht Abegg über die Brücke
aus Würfelzucker, Wachs und Wolle
und befragt die Leute.
– Warum fällt der Würfelzucker
nicht auseinander?
Gedicht entnommen aus:
René Sommer:
Fontane denkt an Afghanistan
Surrealistische Gedichte
Reihe: Lyrik
64 Seiten, Taschenbuch (Paperback)
EUR 6,80 · ISBN 978-3-8280-2879-1
