Gedicht des Monats Januar
Ein Gedicht aus dem Lyrikband von Heinrich Ruhl "Quacksalbereien – Ein lästerlich-liebevolles Überlebenselexier in Versen"
Pfundig
Schnell frisst sich eine Speckschicht an,
wer seinen Mund nicht halten kann,
wenn seine Fressbremse versagt
und er nicht nach den Pfunden fragt.
Was soll das gute Zeug verderben?
Ein jeder Mensch muss einmal sterben,
wenn er gestorben, ist’s zu spät.
Ran an den Speck, weg die Diät,
zum Teufel mit dem Magerquark,
was dich nicht umbringt, macht dich stark!
Am Abend stellt die Wiegewaage
ganz unverblümt die Schicksalsfrage,
der Zeiger schnellt behend nach oben,
das Werk will seinen Meister loben.
Die Waage ist bestimmt defekt,
erst gestern hast du abgespeckt,
doch heut schon bist du gut durchwachsen,
das kommt von den gegrillten Haxen.
Des Leibes Fülle, die ist pfundig,
wird dieses Mal ganz offenkundig.
Merke:
Ein Jammer ist es hier auf Erden:
Erst der Genuss, dann Bauchbeschwerden,
doch isst man mäßig und bescheiden,
kann man sich selbst bald nicht mehr leiden.
Wie man’s auch macht, macht man’s verkehrt,
es lebt der Mensch nie unbeschwert.
aus:
Heinrich Ruhl:
Quacksalbereien
Ein lästerlich-liebevolles Überlebenselixier in Versen
Reihe: Lyrik
64 Seiten, Taschenbuch (Paperback)
EUR 6,00 • ISBN 978-3-8280-2957-6
