Lesen heißt, Menschen zu verstehen
Welttag der kulturellen Vielfalt am 21. Mai 2009
Mit dem „Welttag der kulturellen Vielfalt“, will die UNESCO am 21. Mai auf die verschiedenen kulturellen Strömungen in unserer Gesellschaft aufmerksam machen. Wer entdecken möchte, wie vielfältig die Kultur eines Landes ist, muss sich dessen Literaturangebot ansehen.
„Zeige mir, was die Menschen lesen, und ich sage Dir, was sie denken“, hat der österreichische Schriftsteller Ludwig Anzengruber einmal gesagt. Danach müssten die Leser der Werke aus dem Frieling-Verlag kulturell besonders vielseitig interessiert sein. Denn es gibt wohl kaum einen anderen deutschsprachigen Verlag, dessen Bücher so vielfältige Kulturströmungen repräsentieren. Damit hat sich der Privatverlag in Berlin zur Lichtung im Literaturdschungel entwickelt, auf der kulturelle Vielfalt gedeihen kann, weil hier Autoren eine Zuflucht finden, die andernorts vor verschlossenen Türen stehen.
So findet man im Frieling-Verlag vom Roman über Sachbücher, Kinder- und Jugendliteratur bis zu Reiseberichten und sehr persönlichen Lebensbeichten beinahe alles, was sich zwischen zwei Buchdeckeln als lesenswert anbietet. Doch das Repertoire ist weder beliebig noch zufällig, denn es lässt erkennen, wie es von den Lektoren des Verlages mit großem Sachverstand und persönlichem Interesse gepflegt wird, wie Beispiele belegen:
Als der Türke Kenan Bozkurt vor dreißig Jahren nach Deutschland kam, fühlte er sich einst wie im Paradies: besser behandelt als zuhause, begeistert von der Aufrichtigkeit der Menschen und der Sauberkeit im Lande. Dieses Bild hat sich mit den Jahren ein wenig relativiert, und so ist sein Erfahrungsbericht auch ein kritisches Zeugnis vom Ankommen eines Menschen in einer neuen Gesellschaft, die er heute als seine Heimat bezeichnet.
Eine andere Perspektive hat Cengiz Doğu eingenommen. Der türkische Politaktivist vergleicht in seinem Gedichtband die türkischen Gefängnisse mit deutschen Asylbewerberstätten. Beides kennt er aus eigenem Erleben.
Versöhnlicher aber nicht weniger eindringlich schreibt Hasan Erkek. Der türkische Theaterschriftsteller hat bei Frieling ein Kinderbuch veröffentlicht, in dem die Helden durch Intelligenz, Kreativität und Talent ihre Feinde besiegen. Die Parabel gegen Krieg und Gewalt gipfelt in einem Plädoyer für eine demokratische Republik.
Politische und kulturelle Gegensätze verarbeiten auch Bernhard Müller und Herbert Balk in ihren China-Büchern. Beide Autoren begegnen den Besonderheiten des chinesischen Alltags aus der Perspektive in Deutschland geprägter Lebenseinstellungen. Wie sie sich in langen Jahren ihres Asien-Aufenthalts arrangieren, zeugt auch vom wachsenden Verständnis und Respekt für andere Kulturen – und vermittelt zugleich eine Vorstellung davon, wie es wohl Ausländern gehen mag, die in Deutschland leben.
Im asiatischen Raum zuhause ist seit sieben Jahren Udo-Bernd Drechsel. Er folgte seiner Frau, deren Arbeitgeber sie nach Japan schickte. Während sie ihrem Beruf nachging, entdeckte der Autor Land und Leute. Um den Kontakt zu seiner deutschen Heimat nicht zu verlieren, schreibt er regelmäßige Rundbriefe. Sie sind Belege für das Leben zwischen zwei Kulturen, für das Entstehen eines neuen Interesses an der ungewohnten kulturellen Vielfalt, wie sie Japan bietet.
Den Wechsel in einen anderen Kulturkreis hat auch Hans Meyer vollzogen. Aus zwei Jahren, die er nach Lima gehen sollte, wurde ein Leben. Denn er fand in Lateinamerika seine Frau, die ihm den Zugang zu einem neuen Kulturkreis eröffnete, in dem sich der Autor heute zuhause fühlt. Und so sind seine Reiseberichte mehr als nur Momentaufnahmen eines Touristen in einem Land zwischen Pazifik und Anden.
Gleiches kann man auch von der Lebensbeichte behaupten, die Pia Rankl im Frieling-Verlag veröffentlich hat. Von der Begegnung mit dem ägyptischen Kellner Mohamed fasziniert, interessiert sie sich für dessen Kultur – und stößt damit auf wenig Verständnis in ihrem deutschen Umfeld. Die Autorin ignoriert Bedenken, lernt Arabisch, tritt in einen ägyptisch-deutschen Verein ein und pendelt fortan zwischen den Kulturen: ihrer eigenen und den Bräuchen und Riten des ägyptischen Alltags, in dem sie sich inzwischen ebenso zuhause fühlt.
Die Bücher:
Kenan Bozkurt: „Deutsch sei Dank“ – Erfahrungen eines Deutsch-Türken; 160 Seiten, Taschenbuch (Paperback),9,80 EUR; ISBN 978-3-8280-2687-2.
Cengiz Doğu: „Das Lager gleicht nicht den Kerkern Anatoliens“ – Gedichte in Deutsch und Türkisch; 156 Seiten, Taschenbuch (Paperback), EUR 12,90; ISBN 978-38280-2602-5.
Hasan Erkek: „Der Wettstreit um die Freiheit“ – Theaterstück für Kinder; 80 Seiten, Taschenbuch (Paperback), EUR 5,80; ISBN 978-3-8280-2423-6.
Bernhard Müller: „Chinesisches Tagebuch“ – Ein politischer Reisebericht über vier spannungsgeladene Jahrzehnte; 192 Seiten, Taschenbuch (Paperback), EUR 9,80; ISBN 978-3-8280-1932-4.
Herbert Balk: „In China ist es anders“; 144 Seiten, Taschenbuch (Paperback), EUR 8,80; ISBN 978-3-8280-2542-4.
Udo-Bernd Drechsel: „Puderzucker Japans“ – Rundbriefe aus dem fernen Osten; 304 Seiten, Taschenbuch (Paperback), 14,90 EUR; ISBN 978-3-8280-2410-6.
Hans Meyer: „Reisenotizen aus Peru“ – Eindrücke zwischen Lima, Wüste und Chachapoyas; 160 Seiten, Taschenbuch (Paperback), EUR 9,90; ISBN 978-3-8280-2534-9.
Pia Rankl: „Wer einmal vom Nilwasser getrunken hat ...“ – Reiseerfahrungen aus Ägypten; 256 Seiten, Taschenbuch (Paperback), EUR 11,90; ISBN 978-3-8280-2556-1.
