Mädchentränen

15.11.2009

Buchempfehlung zum 20. Welttag der Kinderrechte am 20. November 2009

 

Jenni (5) – wo der Streit regiert, verliert die Liebe


Die UN-Kinderrechtskonvention wird zwanzig Jahre alt – doch viel bewirkt hat sie bisher noch nicht. Noch immer werden Kinder missbraucht und missachtet – in der ganzen Welt, und nicht nur in den USA oder Somalia, den einzigen Staaten, in denen die Konvention noch nicht ratifiziert wurde. Doch Unterschriften unter Verträgen schützen nicht vor den seelischen Verletzungen, denen Kinder auch in unserer Gesellschaft immer wieder ausgesetzt sind. Anders als körperliche Gewalt bleiben sie meist unsichtbar.

Die Frieling-Autorin Jennifer Höver schildert in ihrem autobiografisch geprägten Roman „Mädchentränen“, wie die fünfjährige Jenni seelisch und körperlich missbraucht wird – und wie das Kind mit jedem neuen, Leid, das man ihr zufügt, immer mehr an der Welt zerbricht.

Allen voran ist es ihre Familie, unter der sie leidet. Das Klima zuhause ist von Konflikten erfüllt. Und wo Streit regiert, verliert die Liebe. Der Vater verlässt die Familie und die Mutter bietet der kleinen Jenni weder menschliche Wärme noch seelischen Halt. Auch die größeren Brüder sind für das kleine Mädchen keine Fixpunkte im Leben. Im Gegenteil – sie kompensieren ihr eigenes Leid, indem sie sich an der kleinen Schwester vergehen.

Jenni reagiert auf die Verletzungen ihres Körpers und ihrer Seele, indem sie sich immer mehr von ihrer Umwelt abkapselt. Das Beten zu Gott hat sie längst aufgegeben; sie funktioniert nur noch. So wie es ihre Mutter will oder es ihr die Brüder vorschreiben. Gut, dass es noch Onkel Roland gibt…

„Ich schreibe, um meine Vergangenheit zu verarbeiten“, sagt Jennifer Höver. Ihr Leben scheint sie der Aufgabe gewidmet zu haben, über den alltäglichen Kindesmissbrauch aufzuklären – durch ihr Buch und auf ihrer Internetseite (www.jennifer-hoever.de). Mit diesem Engagement will Jennifer Höfer andere Kinder vor einem Schicksal wie dem der fünfjährigen Jenni bewahren.

„Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“ So steht es im zweiten Satz von Paragraf 1631 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Die Realität ist eine andere: In Deutschland werden jährlich fast 16.000 Fälle von Kindesmissbrauch bekannt. Experten schätzen die Dunkelziffer zehn bis 15 Mal höher! Und fast drei Viertel der Täter kommen aus dem Verwandten- oder Bekanntenkreis ihrer Opfer.

Jennifer Höver: Mädchentränen – Die Geschichte einer verletzten Kinderseele; aus der Reihe Erfahrungen; 160 Seiten, Taschenbuch (Paperback), EUR 11,50, ISBN 978-3-8280-2716-9.