Der Heimatdichter

23.12.2011

Bewegender Nachruf des „Münchner Merkur“ auf unseren Hausautor Hans Pelkofer

Tutzing – Es war sein Herzensort, immer wieder ist er hingewandert, auf die Ilkahöhe bei Tutzing, hoch über dem Starnberger See. Hans Pelkofer, der Heimatdichter, der Bundesbahnamtsrat, der Familienvater, hat dann lange aufs Wasser geschaut, einfach geschaut, auf die Kirche, die Bäume, die Alpen und wenn der Blick klar war, auf die Zugspitze. „Er hat die Gegend förmlich aufgesogen“, sagt Josef Berger, sein Freund und Arbeitskollege.

Pelkofer war ein Mann mit einem sagenhaften Talent: Er konnte Heimat speichern, umwandeln, in Sprache übersetzen. 36 Bücher hat der zweifache Vater verfasst, alle erst nach der Pensionierung. Die „Alpenvorland-G’schichten“ zum Beispiel, oder „Geliebte Glocken der Heimat“. Meistens hat er in Versform geschrieben, und gerne gab er seinen Lesern am Anfang der Bücher noch eine Gebrauchsanweisung mit auf den Weg. „Die Verse können nach Melodien wie ‚Am Brunnen vor dem Tore’ gesungen werden, was einmalig ist.“

Einmalig – das war auch der gebürtige Tutzinger. „Es war ein Ausnahmefall, ihn erleben zu dürfen“, sagt Berger. Bis zuletzt ist er mit seinen Neuerscheinungen zu Buchmessen in ganz Deutschland gefahren, immer in Tracht, das war ihm wichtig, genau wie der Erhalt der Mundart. Er hat beim „Bayerischen Wörterbuch“ mitgearbeitet, dafür haben sie ihm die Ehrennadel der Bayerischen Akademie der Wissenschaften verliehen. Er war ein richtiger Bayer, ungekünstelt, tiefreligiös. Und er hatte die Gabe, ganze Hochzeitsgesellschaften zum Lachen zu bringen. Mit einer Rede oder herzhaften Anekdote.

Einmal hat er sich für einen Auftritt was Besonderes ausgedacht: Frauenkleider. Die hat er sich angezogen, aus Spaß, die Menschen lachten Tränen. Guter Humor braucht Rückgrat, Ehrlichkeit, ein Gerüst, das dem Leben Ordnung gibt. Hans Pelkofer hatte das alles. „An erster Stelle steht der Herrgott, dann kommt die Familie, dann Bayern“, erzählt Berger. Das war sein Rezept für ein gutes Leben. Es ist ihm gelungen, das gute Leben. Im Alter von 90 Jahren hat der Herrgott ihn nun zu sich geholt.

 

Quelle: L. ACKERMANN/S. SESSLER, Münchner Merkur, 09.12.2011