SiZe - Siegener Zentrum für Kindheits-, Jugend- und Biographieforschung
Seit 1987 erfolgreich auf dem Gebiet angewandter Modernisierungsforschung
Das Siegener Zentrum (SiZe) für Kindheits-, Jugend- und Biographieforschung arbeitet seit seiner Gründung 1987 überaus erfolgreich auf dem Gebiet angewandter Modernisierungsforschung. Das Zentrum konzentriert sich auf die dramatischen Umbrüche und Transformationsprozesse, die das Aufwachsen der jüngeren Generation, die Beziehungen zwischen den Generationen und der Lebenslauf der Menschen global, regional und in verschiedenen nationalen Kulturen im 20. und 21. Jahrhundert erfahren haben. Das geschieht auf der disziplinären Basis einer Erziehungswissenschaft, die als Sozial- und Kulturwissenschaft verstanden wird.
Modernisierung wird als ein vielschichtiger, risikanter und konflikthafter Gesellschaftsprozess verstanden, dessen Folgen die betroffenen Kulturen und Menschengruppen in hohem Maße selbst zu bewältigen und dem sie selbst einen Lebenssinn abzugewinnen haben. Die Forschung des Zentrums konzentriert sich folglich auf die Perspektive der von Modernisierung betroffenen Gruppen und fragt nach deren Bewältigungs- und Sinngebungsstrategien, den subjektiven und kulturellen Kosten sowie nach den Risiken des lebensgeschichtlichen Scheiterns.
Das Zentrum erlangte in den knapp anderthalb Jahrzehnten seit seiner Gründung eine exponierte Stellung in den nationalen und internationalen Forschergemeinschaften und ist seit Jahren national und international mit wichtigen anderen Zentren der Kindheits-, Jugend- und Biographieforschung vernetzt. Intensive Forschungskontakte bestehen u.a. zum Deutschen Jugendinstitut, München, zum Minerva Center for Youth Policy (Universität Haifa, Israel), zur Universität Jena (Entwicklungspsychologie) und zu den Zentren für neue sozialwissenschaftliche Kindheitsforschung in Skandinavien, Großbritannien und den USA. Das Zentrum beherbergte wiederholt, z.T. in Kooperation mit dem Siegener Forschungsinstitut für Geistes- und Sozialwissenschaften (figs), ausländische Gastprofessoren und führte Internationale Fachtagungen durch bzw. beteiligte sich daran.
Das Zentrum führte bislang – allein oder in Kooperation mit anderen Universitäten und Forschungseinrichtungen - mehr als 20 längerfristig angelegte Drittmittelprojekte durch. Drittmittelgeber war in der Hälfte der Fälle die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), ferner die Stiftung Volkswagenwerk, das Jugendwerk der Deutschen Shell, die Friedrich Stiftung (Seelze). Dazu kommen Förderungen u.a. seitens der Europäischen Gemeinschaft, einzelner Landesministerien NRW, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, regionaler Instanzen des Kreises Siegen-Wittgenstein sowie des Innovationsfonds der Universität Siegen.
Beispielhaft sei auf folgende größere Vorhaben mit Bekanntheitsgrad, innovativem Potential und zahlreichen Publikationen verwiesen. „Wandel von Jugend in West- und Osteuropa am Beispiel von Ungarn und Westdeutschland“ (Kooperation mit Gesellschaftswissenschaftlichem Institut, Budapest, und Universität Szeged)
„Stadt und Quartier als Lebensraum von Kindern und ihren Pädagogen. Wiesbaden (Deutschland) und Leiden (Holland) 1900 bis 1980“ ( Kooperation mit Universität Leiden, N.L.)
Studium und Biografie. Zur geschlechtstypischen Hochschulsozialisation in ausgewählten Studienfächern“
„Jugend ´92. Lebenslagen, Orientierungen und Entwicklungsperspektiven im vereinigten Deutschland (11. Shell Jugendstudie) (Kooperation mit psydata, Frankfurt, und 10 deutschen Universitäten)
„Schülerstudie. Schüler in West- und Ostdeutschland im Vergleich“ (Kooperation mit Zentralinstitut für Jugendforschung, Leipzig) „Modernisierung von Kindheit über drei Generationen in einer Region. Intra- und intergenerative Vergleiche“
„Wandel von Kindheit und Jugend in West- und Ostdeutschland“ (DFG-Schwerpunktprogramm. Kooperation mit rund 20 Projekten und Universitäten)
"La jeunesse scolarisée en Europe.“ Jugendliche in der Schule in Frankreich, England, Portugal und Deutschland (Kooperation mit Institut National de Recherche Pédagogique)
„Sozialisation in Tagebüchern von Mädchen und Frauen im Wandel des 20. Jahrhunderts“ (Kooperation mit Universität Frankfurt a.M.)
„Kommunikationsmuster in Familien über Risiken des Aufwachsens“
„Bildungsmoratorium. Bildungs- und Kulturtransfer zwischen den Generationen in der Familie“ (Kooperation mit Universitäten Jena und Bamberg)
„NRW Kids 01“. Berichterstattung über Kinder und Jugendliche in Nordrhein-Westfalen (Survey)
Das forschungsmethodische Profil des Zentrums weist auf der einen Seite repräsentative Surveyforschung aus, national wie transnational-komparativ, mit 2.000 bis 10. 000 Befragten, in denen Kinder und Jugendliche ihre Alltags-Praxeologien, biographischen Erfahrungen, Probleme, Orientierungen und Wünsche/Forderungen äußern können. Diese Studien werden teilweise durch das Zentrum selbst, teilweise durch kommerzielle Institute durchgeführt. Diese Studien verstehen sich als Teil einer Berichterstattung über die nachwachsende Generation und als Teil eines öffentlichen Dialogs zwischen den Generationen.
Auf der anderen Seite hat sich das Zentrum auf die Durchführung qualitativer Fallstudien und die Arbeit mit Ego-Dokumenten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen spezialisiert. Die Ego-Dokumente werden sowohl in der Forschungssituation neu generiert (z.B. Kinderzeichnungen; freie Aufsätze; biographische, narrative Interviews; Oral history Interviews) als auch aus privaten Beständen und Nachlässen übernommen (Briefwechsel; Tagebücher; Poesiealben; private Foto-Alben). Neben schriftlichen Dokumenten werden insbesondere Bilddokumente als Forschungsquellen genutzt (z.B. Kinder- und Jugendzimmer; (Selbst)Porträts; Spiel- und Wohnumwelten; künstlerische Produktionen). Dem Zentrum ist daher ein eigenständiges Archiv für Kinder- , Jugend- und pädagogische Kultur in Familie und Schule angegliedert, das intensiv für Lehr- und Forschungszwecke, insbesondere seitens Studierender und Nachwuchswissenschaftler, genutzt wird.
Seit Mitte der 1990er Jahre verstärkt das Zentrum sein regionales Engagement in den Bereichen wissenschaftliche Weiterbildung, kommunale Kinder- und Jugendpartizipation, soziale Berichterstattung und Qualitätsentwicklung in Sozialen Diensten. Das führte 1998 u.a. zur Gründung der „Sozialen Akademie Siegen-Wittgenstein“ (sas), einer Institution der wissenschaftlichen Weiterbildung, in der die Universität Siegen (SiZe), das Deutsche Jugendinstitut (DJI), München, und der Kreis Siegen-Wittgenstein kooperieren. Im Rahmen der Akademie werden Forschungsergebnisse und methodische Innovationen des Siegener Zentrums für Studierende und Praktiker der Region aufbereitet und fruchtbar gemacht. In Abständen von zwei Jahren werden „Symposien“ und „Jugendhilfetage“ für die Region, die Universität und das Land NRW durchgeführt.
Das Zentrum arbeitet auf der Basis eines kleinen Teams, das eine Leiterstelle (Professur) und drei Mitarbeiterstellen umfasst, ausgesprochen effizient. Fallweise werden im Rahmen laufender Projekte weitere wissenschaftliche MitarbeiterInnen, studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte auf Zeit integriert. Dadurch ergibt sich eine enge Verzahnung insbesondere mit dem Diplom-Studiengang Sozialpädagogik und Sozialarbeit im Lehr- und Prüfungswesen. Jährlich entstehen in diesem Zusammenhang etwa ein Dutzend qualifizierte, aus der Arbeit des Zentrums hervorgegangene Forschungsarbeiten für das Diplom. Die Forschungstätigkeit des Zentrums fließt ferner in die Methodenausbildung der PädagogInnen (qualitative und quantitative Verfahren) und in die Lehrveranstaltungen zu Kindheit, Jugend und Lebenslauf ein.
Im Rahmen des Zentrums ist ein Forschungs- und Doktorandenkolloquium angesiedelt, das mittlerweile seit mehr als einem Jahrzehnt besteht, und in dem sich DoktorandInnen aus den Forschungsprojekten mit DoktorandInnen treffen, die individuelle Arbeiten anfertigen. Aus dem Kolloquium, an dem regelmäßig zwischen 8 und 12 DoktorandInnen und zwei akademische Betreuer teilnehmen, sind bisher rund 20 Dissertationen und 2 Habilitationen hervorgegangen.
Adresse:
SiZe Siegen
Universität Siegen
Adolf-Reichwein-Str. 2
57068 Siegen
Neue Standorte:
Adolf-Reichwein-Str. 2, Raum AR-B 2109/1-3
und
Unteres Schloss
57072 Siegen
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