Frieling-Verlag Berlin

Verlag sucht Autoren

Schreibtipps – Erfahrungen schreiben

 

Das Thema finden und die Struktur schaffen

Zuallererst sollten Sie sich darüber im Klaren sein, welche Erfahrungen Sie zu Papier bringen möchten. Es ist gut möglich, dass Ihnen das schon sehr lange bewusst ist. Umso besser! Vielleicht gibt es aber auch viele verschiedene Erfahrungen und Erlebnisse, die Sie gerne unter die Menschen bringen würden und die es wert sind, erzählt zu werden. Trotzdem sollten Sie nicht zu viele unterschiedliche Erfahrungen zusammenwerfen und gleich so viel wie möglich berichten. Legen Sie sich fest, auf welche Erfahrung Sie sich zunächst konzentrieren möchten. Ein Mix aus vielen verschiedenen Erfahrungen könnte bei den LeserInnen für Unmut sorgen, die vergeblich nach einem roten Faden suchen, und den Lesefluss eher hemmen als diesen zu steigern. Natürlich lassen sich auch verschiedene Erfahrungen miteinander verbinden. Wenn Sie dies tun möchten, müssen Sie aber planvoll vorgehen und Ihr Werk bewusst strukturieren. Ist dieser erste Schritt der Themenfindung getan, geht es wie so oft erst einmal darum, eine Struktur zu schaffen. Diese kann für Sie sehr hilfreich sein, damit Sie keine wichtigen Details auslassen oder unnötig abschweifen. Ferner kann es Ihnen helfen, eventuelle Erinnerungslücken aufzudecken, und lässt Sie noch einmal genau über Situationen, Gefühle oder Ereignisse nachdenken. Hierbei können Sie verschiedene Methoden wählen. Sie können beispielsweise eine Mindmap anlegen oder einen Zeitstrahl erstellen. Bei einer Mindmap skizzieren Sie das Thema ihrer Erfahrung groß in der Mitte eines Blatt Papiers und darum herum die Details, Personen, Ereignisse, Folgen etc. Die jeweilige Relevanz aller Ihrer Punkte können Sie dabei optisch hervorheben. Wollten Sie nun beispielsweise über Ihre Erfahrungen beim eigenen Hausbau berichten, so würden in Ihrer Mindmap die Punkte Finanzplanung und Zeitmanagement wohlmöglich größer vermerkt als die Auswahl der Farbe für das Wohnzimmer.


Intention und Zielgruppe

Nachdem Sie Ihre Erfahrung strukturiert haben und nun sowohl wissen, wovon Sie berichten wollen, als auch, welche Ereignisse, Personen oder Entscheidungen diese Phase geprägt haben, sollten Sie sich die Frage stellen, an welche Zielgruppe Sie sich richten möchten. Zum Beispiel ist es möglich, dass Sie Ihr Buch schreiben möchten, um anderen einen Weg aus der Aussichtslosigkeit aufzuzeigen und Mut für den folgenden Weg zu geben. So könnten Sie etwa von Ihrer Erfahrung mit einer Krankheit berichten, um Menschen in ähnlichen Situationen das Gefühl zu vermitteln, in Ihnen einen Vertrauten zu haben, der ihre Erfahrungen teilt. Sie können ihre Erfahrungen aber auch dazu nutzen, andere Menschen vor Situationen, Orten, Institutionen oder Personen zu warnen.

Ebenso ist es aber möglich, dass Sie mit ihrem Erfahrungsbericht eine ganz andere Richtung einschlagen wollen. Es ist auch denkbar, dass Sie Ihre Erfahrungen festhalten, um Familie und Freunde in Erfahrungen einzuweihen, für die Sie bisher keine Worte gefunden haben, oder um sich selbst von der Last einer unangenehmen Erfahrung zu befreien. Haben Sie die Zielgruppe festgelegt, ist es ebenfalls wichtig, sich über Stil und Erzählperspektive Gedanken zu machen. Ein Erfahrungsbericht sollte immer zum einen aus einem objektiven und zum anderen aus einem subjektiven Teil bestehen. Je nachdem, wen Sie mit ihrem Erfahrungsbericht erreichen wollen, sollten die verschiedenen Teile auch unterschiedlich gewichtet werden. Der objektive Teil besteht darin, zu berichten, was faktisch passiert ist und wie die Umstände zu dieser Zeit waren. Bei einem Krankheitsbericht ist dies zum Beispiel die Diagnose, der Ort der Behandlung und die statistischen Aussichten auf Besserung oder Heilung. Bei einem Erfahrungsbericht mit einem betrügerischen Reiseunternehmen beispielsweise wären die objektiven Daten die Kosten für die Reise, Die Werbepräsenz und Selbstdarstellung des Unternehmens sowie die Schilderung Ihres ersten Kontakts mit dem Unternehmen. Der subjektive Teil ist immer der, der von größerer Bedeutung ist. Dieser beschreibt, wie Sie sich gefühlt haben, was Sie durchgemacht und gedacht haben. Der subjektive Anteil gibt Ihrem Erfahrungsbericht erst ein Gesicht und verleiht ihm Authentizität. Je nachdem, wie Ihre Zielgruppe aussieht, sollten Sie wie gesagt den objektiven und subjektiven Anteil unterschiedlich gewichten. Ist der Bericht eher für einen kleineren privaten Kreis bestimmt oder dafür, sich eine Last vom Herzen zu schreiben, so sind die objektiven Daten, die Sie im Hinterkopf haben, weniger relevant, als wenn Sie mit Ihrem Erfahrungsbericht anderen Menschen, vornehmlich Menschen, die Sie nicht persönlich kennen, Mut machen wollen.


Den Aufbau planen

Im dritten Schritt geht es darum, sich einen sinnvollen und zielführenden Aufbau zu überlegen. Sie sollten weder gleich mit der Tür ins Haus fallen und sofort mit dem Erfahrungsbericht beginnen, noch sollten Sie allzu lange auf das hinarbeiten, was Sie eigentlich berichten möchten. Überlegen Sie sich eine ansprechende Einleitung, die über einige Seiten zu dem Thema ihrer Erfahrung hinführt. Bei dem Beispiel des Hausbaus könnte der Entscheidungsprozess, ein eigenes Haus zu bauen anstatt eines zu kaufen oder zu mieten, die Einleitung darstellen. Dreht sich Ihr Erfahrungsbericht – um ein anderes Beispiel aufzugreifen – um Erfahrungen während des Zweiten Weltkriegs, so könnten Sie einleitend berichten, wie Sie eingezogen wurden oder sich dazu entschlossen haben, sich der Armee anzuschließen.

Berichten Sie detailliert, aber nicht zu ausführlich. Die Einleitung soll Einleitung bleiben und nicht ein Drittel des Buches einnehmen. Das Herzstück ihres Erfahrungsberichtes soll nämlich der Hauptteil sein, in dem Sie ihre Berichte niederschreiben. Hier können Sie ihre Erlebnisse mit Details ausschmücken und bei gewissen wichtigen Dingen auch einmal weiter ausholen. Der Schlussteil ihres Werkes soll das Ganze abrunden, damit der Erfahrungsbericht einen schönen und angemessenen Abschluss findet. Sie könnten zum Beispiel Bezug auf die Einleitung nehmen, dabei versuchen, Ihre einleitenden Gedanken zu reflektieren, und den LeserInnen darlegen, inwieweit und in welcher Form das Erlebte Sie bis zum heutigen Tag geprägt hat. Beim Beispiel des Hausbaus könnten sie darüber sinnieren, ob die Entscheidung, ein Haus zu bauen, richtig war oder noch einmal zusammenfassen, mit welchen unerwarteten Problemen Sie konfrontiert wurden. Je nachdem, was und wen Sie mit Ihrem Erfahrungsbericht erreichen wollen, ist es auch sehr hilfreich, Verweise auf andere Quellen wie AutorInnen, Internetseiten, Bücher, Artikel oder Filme zu geben, um den Lesenden die Möglichkeit einzuräumen, sich noch weiter mit dem Thema zu beschäftigen. Am Ende ist es meist sinnvoll, noch ein kurzes Fazit zu ziehen und Ihr Werk schließlich mit einem prägnanten Schlusssatz zu vollenden.


Persönlich und ehrlich schreiben

Hinsichtlich der Art und Weise, wie man einen Erfahrungsbericht schreiben sollte, ist es sehr schwer, Tipps zu geben. Jeder Mensch hat einen eigenen Schreibstil und möchte gerade bei eigenen Erfahrungen unterschiedlich viele Informationen preisgeben und eventuell persönliche Gefühle für sich behalten. Das ist natürlich vollkommen in Ordnung; nur Sie selbst entscheiden, worüber Sie berichten und was Sie unter Umständen auch für sich behalten möchten. Wichtig und unabdinglich ist lediglich, dass Sie stets ehrlich und persönlich schreiben. Dabei empfiehlt es sich, den Leser an Ihrer subjektiven Perspektive teilhaben zu lassen und also wenn möglich Ihre Erlebnisse so wiederzugeben, wie Sie sie selbst erlebt und gefühlt haben. Versuchen Sie, Ihre Gedanken und Erinnerungen in Worte zu fassen.

Falls Sie sich an gewisse Abschnitte oder Umstände nur noch vage erinnern können oder sich in der Strukturphase Lücken aufgetan haben, ist dies nicht unbedingt problematisch, sondern meist ganz natürlich. Sie sollten diese Lücken nicht mithilfe Ihrer Fantasie füllen und Mutmaßungen oder Erfindungen als Wahrheiten verkaufen. Wer erinnert sich schon genau an jede Einzelheit, die sich zeit seines Lebens zugetragen hat? Bleiben Sie ehrlich und schildern Sie Ihre Erinnerungen so, wie sie Ihnen im Gedächtnis stehen. Sollten Sie an einigen Stellen Schwierigkeiten haben, sich an Einzelheiten zu erinnern, oder sollten Sie sich nicht sicher sein, ob Ihre Darstellung voll und ganz der Wahrheit entspricht, müssen Sie Ihren LeserInnen dies nicht verschweigen. Im Gegenteil – hierdurch wird Ihr Erfahrungsbericht umso authentischer, ja bedeutungsvoller. Und nur wenn Ihre LeserInnen den Eindruck haben, einen ehrlichen Bericht zu lesen, werden sie sich auch wirklich darin einfühlen können.


Privatsphäre wahren

Als wichtiger Zusatztipp ist zu erwähnen, dass Sie die Privatsphäre der Menschen, die Sie in Ihrem Erfahrungsbericht erwähnen, in jedem Fall wahren sollten. Klären Sie im Vorhinein mit den Menschen, die in Ihrem Werk ein Rolle spielen, ob Sie diese namentlich erwähnen und eventuell auch private Details über sie preisgeben dürfen. Manche Menschen – auch wenn es gute Bekannte von Ihnen sind – möchten in Ihrem Buch vielleicht nicht erwähnt werden. Das sollten Sie respektieren! Oftmals reicht es auch nicht aus, diesen Personen in Ihrem Buch einen anderen Namen zu geben. Wenn eindeutig aus Ihrem Bericht hervorgeht, um wen es sich bei der entsprechenden Person in Wahrheit handelt, könnte dies im Nachhinein zu Problemen führen.

Vergessen Sie ebenfalls nicht, dass es Ihre persönliche Erfahrung ist, die Sie beschreiben. Es ist also auch immer Ihre persönliche Meinung und Ihre persönliche Sicht der Dinge. Besonders bei kontroversen Themen und Erlebnissen empfiehlt es sich deshalb, hin und wieder zu betonen, dass es Ihre subjektiven Eindrücke sind, die Sie kundtun, und weniger eine objektive Darstellung von Fakten und Sachverhalten. Damit geben Sie den LeserInnen Raum, um zu ihrer eigenen Einschätzung zu gelangen und verdeutlichen zugleich, dass es sich bei Ihrem Bericht um einen ganz persönlichen Erfahrungsschatz handelt. Da es gerade Ihre subjektive Perspektive ist, welche die bloßen Fakten zu einer für die LeserInnen nacherlebbaren Wirklichkeit werden lässt, wird Ihr Publikum dies zu schätzen wissen.

WEITERE SCHREIBTIPPS 

-> Buch veröffentlichen

-> Manuskript einsenden