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Gedichte schreiben: Schreibtipps und hilfreiche Hinweise

Gedichte schreiben: Was muss man dabei beachten?


Bewegende und sensible Gedichte schreiben ist wahrlich eine Kunst. Dafür braucht man Fantasie, Kreativität und viel Gefühl, aber auch Technik. Wenn diese zu kurz kommt, wird das Ergebnis schnell klischeeüberladen und eventuell kitschig. Deshalb lohnt es, sich beim Schreiben nicht nur von der Muse küssen zu lassen, sondern auch ein paar nützliche Hinweise im Kopf zu haben und sich an einem Schema zu orientieren. Diese Woche geben wir Ihnen 5 Tipps dazu!


Das Thema des Gedichtes festlegen

Wenn Sie sich hinsetzen, um ein Gedicht zu schreiben, haben Sie wahrscheinlich schon eine ungefähre Vorstellung, worum es gehen soll. Es ist immer hilfreich, diese erste zündende Idee, die oft recht vage ist, zu Papier zu bringen, um die Gedanken zu sor-tieren und einen ersten visuellen Eindruck zu be-kommen. Auf diese Notizen können Sie im gesamten Schreibprozess immer wieder zurückkommen. Fragen Sie sich: Was ist das übergeordnete, abstrakte Thema des Gedichts? Worum geht es konkret? Welche Stimmung, Atmosphäre und Gefühle möchten Sie vermitteln? Gibt es einen bestimmten Anlass, zu dem Sie das Gedicht schreiben? Hat Ihr Gedicht einen Adressaten?

Laß mein Aug den Abschied sagen,
Den mein Mund nicht nehmen kann!
Schwer, wie schwer ist er zu tragen!
Und ich bin doch sonst ein Mann.

Johann Wolfgang von Goethe
(Aus "Der Abschied")

Sollten Sie einfach nur den Wunsch haben, ein Gedicht zu verfassen, aber noch keine konkrete Idee haben, gibt es einige Themen, über die man nachdenken kann, weil sie fast jeden von uns betreffen: Liebe, Schmerz, Angst, Sehnsucht, Verlust, Zukunft, Freundschaft, Kindheit, Träume ... Nehmen Sie sich Zeit – vielleicht auf einem ausgedehnten Spaziergang durch die Natur –, zu einem dieser Themen Ihren Gedanken freien Lauf zu lassen. Vielleicht kommen Sie inspiriert nach Hause.

Den Aufbau eines Gedichtes planen

Wenn Sie einen ersten Ansatz, einen Ausgangspunkt gefunden haben, schreiben Sie am besten zuerst alles auf, was Ihnen zu dieser Idee durch den Kopf geht. Dann können Sie damit beginnen, sich über Aufbau und Struktur Gedanken zu machen. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Gedichtformen. Möchten Sie in Strophen schreiben? Hat jede Strophe ein eigenes Thema, eine Aussage, ein Gefühl, einen Gedanken, den sie beschreibt? Bauen die Strophen aufeinander auf? Gibt es einen zentralen Vers, der sich wiederholt? Wie viele Zeilen soll Ihr Gedicht in etwa haben? Machen Sie sich auch hier Notizen, um vor Ihrem Auge schemenhaft den inneren Aufbau und die Form Ihres Gedichtes entstehen zu lassen. Schauen Sie sich vielleicht noch einmal bewusst verschiedene Gedichte von Ihren Vorbildern an. Probieren Sie verschiedene Möglichkeiten aus. Ob Sie mit diesem Schritt beginnen oder sich zuerst entscheiden, ob Ihr Gedicht sich reimen soll oder nicht, bleibt ganz Ihnen überlassen. Wie, wann und wo Autoren am besten arbeiten, ist sehr unterschiedlich. Dementsprechend lassen sich kreative Prozesse schwer in feste Strukturen zwängen.


Das ist mein Fenster. Eben 
bin ich so sanft erwacht. 
Ich dachte, ich würde schweben. 
Bis wohin reicht mein Leben, 
und wo beginnt die Nacht? 

Rainer Maria Rilke (Aus "Die Liebende")

Reim oder nicht Reim – und wenn ja, wie?

Das Reimschema ist bei Lyrik ein zentraler Aspekt. Für viele Menschen gehört der Reim zu einem Gedicht einfach dazu. Das kann so sein, muss es aber nicht. Fakt ist, dass Reimen sehr viel anspruchsvoller ist, als man denken mag. Zwei Wörter finden, die sich reimen, ist noch lange nicht die halbe Miete. Der Dichter sollte beachten, dass mancher Reim im Laufe der Jahrhunderte bereits so häufig benutzt wurde, dass er vielen Menschen inzwischen zu den Ohren heraushängt. Wenn Sie ein originelles Gedicht schreiben wollen, sparen Sie möglichst an Reimen wie Herz – Schmerz. 

Darüber hinaus will bei Lyrik – wie bei allen kurzen literarischen Texten – jedes Wort gut überlegt sein und muss innerhalb des Verses, der Strophe und des gesamten Gedichtes inhaltlich wie stilistisch und rhythmisch passen. Der Leser sollte nie das Gefühl haben, dass ein Wort benutzt wird, weil es sich reimt, gemäß dem geflügelten Wort „Reim dich oder ich fress’ dich“. Stattdessen sollte der Reim stets einen natürlichen Eindruck machen.

Wenn Sie sich für die Verwendung von Reimen entscheiden, starten Sie für die ersten Zeilen konkrete Schreibversuche in Versform und versuchen Sie dabei ein Reimschema zu finden. Behalten Sie dieses möglichst im gesamten Gedicht bei. Folgende beliebte Reimschemata gibt es:
Umarmender Reim: ABBA (1. + 4. Vers sowie 2. + 3. Vers reimen sich)
Paarreim: AABB (1. + 2. Vers sowie 3. + 4. Vers reimen sich)
Kreuzreim: ABAB (1. + 3. Vers sowie 2. + 4. Vers reimen sich)


Semantik – Mit Worten Bilder malen

Wenn Sie nun einen ersten Entwurf des Gedichtes vorliegen haben, überlegen Sie noch einmal: Um welche Themen, welche Gefühle geht es in Ihrem Gedicht? Die Sprache spielt hier eine große Rolle: Prüfen Sie, ob die Wörter, die Sie verwendet haben, zu Ihren Absichten passen. Wollen Sie unterhalten, kritisieren, eine traurige Begebenheit schildern oder ein melancholisches Gefühl einfangen? Schwingt Wut, Sehnsucht oder Glück in Ihren Versen mit? Überlegen Sie, welche Wortfelder und Stilmittel thematisch, atmosphärisch und inhaltlich zu Ihrem Gedicht passen. Jedes Wort, jede Metapher, jeder Vergleich hat bei lyrischen Texten eine große Bedeutung. Wenn Sie in einem Liebesgedicht Kriegsvokabeln verwenden, erzielt das eine ganz bestimmte Wirkung, die sie womöglich nicht beabsichtigt haben.

Bedenken Sie, dass kein Wort im luftleeren Raum steht und nur eine einzige Bedeutungsdimension hat. Der Kontext ist wichtig, ebenso Assoziationen: In welchem Kontext steht das Wort oder die Formulierung vielleicht so oft, dass jeder Leser spontan daran denkt? Welche Stimmungen und Gefühle evozieren bestimmte Vokabeln? Versuchen Sie, mit der Sprache zu spielen, hauchen Sie Ihrem Gedicht durch die Worte Leben ein. Oft ist es eindrucksvoller, wenn ein Gedanke oder ein Gefühl nicht direkt benannt, sondern umschrieben wird. Nutzen Sie Vergleiche oder Metaphern, um etwas auszudrücken.


Der letzte Schliff bei einem Gedicht – Verleihen Sie Ihren Versen Flügel!

Jetzt liegt Ihr Gedicht fast fertig vor Ihnen. Welche Wirkung macht es rein optisch auf Sie? Gibt es eine Struktur? Sind Regelmäßigkeiten erkennbar? Lyrik ist eine sehr kurze Textform, die allerdings intensiv auf verschiedenen Ebenen wirkt: formal, rhythmisch, syntaktisch und inhaltlich. Überprüfen Sie diese verschiedenen Aspekte noch einmal auf Stimmigkeit. Vor allen Dingen sollten Sie Ihr Gedicht jetzt noch einmal laut vorlesen und dabei genau auf den durch die unterschiedliche Betonung der Silben erzeugten Rhythmus achten. Schreiben Sie Stellen um, an denen Sie stocken oder sich verhaspeln. Sprachspiele, Lautmalerei oder Alliterationen können gut aussehen und klingen, müssen jedoch auch in den Rhythmus passen, wenn sie keine Stolpersteine werden sollen. 

Natürlich kann man auch Stolpersteine, Zungenbrecher, außergewöhnliche Metaphern oder Vergleiche und Vokabeln, die man bei einem bestimmten Thema nicht erwartet, gezielt einsetzen. Zum Spiel mit der Sprache kann gehören, dass der Autor mit der Lesererwartung spielt. Das sind jedoch komplizierte Kunstgriffe. Sie kommen bei Weitem nicht in jedem guten Gedicht zum Einsatz und passen auch nicht zu allen Werken.
Nun können Sie Ihr Werk Menschen Ihres Vertrauens vortragen oder zum Lesen geben. Konstruktive Kritik und Denkanstöße von Außenstehenden können den richtigen Impuls geben, um Gedichten den allerletzten Schliff zu verleihen.

Nun können Sie Ihr Werk Menschen Ihres Vertrauens vortragen oder zum Lesen geben. Konstruktive Kritik und Denkanstöße von Außenstehenden können den richtigen Impuls geben, um dem Ganzen den allerletzten Schliff zu verleihen.

 

 

Lyrik ist die Sprache des denkenden Herzens 
(Silvana E. Schneider)

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