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Wer liest und schreibt, bleibt länger gesund


Die heilende Kraft der Worte – Poesie- und Bibliotherapie

Wussten Sie, dass Apollo nicht nur Gott der Heilkunde, sondern auch Gott der Dichtkunst war? Der Kunst, insbesondere dem geschriebenen Wort, wird also bereits in der Antike eine besondere Heilkraft zugesagt. Diese Überzeugung durchzieht die Menschheitsgeschichte bis in die Gegenwart. Heute wird dem Lesen und Schreiben ein fester Platz in der Medizin eingeräumt: Die Rede ist von der Poesie- und Bibliotherapie.


Kathartische Wirkung der Literatur

Der Literatur wurde in der Antike ein großer Einfluss auf den Bereich der Affekte und Gefühle zugeschrieben. Sie habe eine kathartische – eine reinigende – Funktion. Schon bei Aristoteles heißt es zur Tragödie: „Dadurch, dass sie Mitleid und Furcht erregt, bewirkt sie die ihr eigentümliche Reinigung derartiger Affekte.“ Neben Dramen, Gedichten, Erzählungen und Romanen werden in der Antike aber auch Reden und Briefen eine therapeutische Kraft zugesagt. So schrieben beispielsweise Seneca und Cicero Trostschriften in Krisenzeiten, die von Krankheit oder Tod geprägt waren.
Auch im Mittelalter war das tröstende Briefeschreiben – das scribendo solari – verbreitet. Dantes Divina Commedia soll den Leser in einen glücklichen Zustand versetzen („perducere ad statum felicitatis“). Die Äbtissin, Naturforscherin und Ärztin Hildegard von Bingen gewinnt mit der Niederschrift ihrer Visionen stets von neuem Kraft und Mut in ihrem lebenslangen Leiden. Das Al-Mansur-Hospital in Kairo bietet nicht nur Medikamente und Operationen als Therapeutika an, sondern auch die Lektüre des Korans. Und Maimonides, ein jüdischer Mediziner und Philosoph, beschreibt in seinem Gesundheitsratgeber die besonders therapeutische und diätetische Kraft des geschriebenen Wortes.


Bibliotherapie in der modernen Medizin

Kein Wunder also, dass sich auch die Medizin der Neuzeit mit diesem Phänomen auseinandergesetzt hat. Nach zahlreichen Forschungen wird die Poesie- und Bibliotherapie sowohl in der Medizin und Psychologie als auch in der Pädagogik als eine sehr wirksame Behandlungsform angesehen. In der Regel wird sie als begleitende Maßnahme neben der regulären Therapie angewendet. Das Lesen und Schreiben hat auf die Patienten eine beruhigende, erleichternde, anregende Wirkung. Sei es das Niederschreiben von belastenden oder schönen Erinnerungen, das Formen wohltuender Verse oder das Schwelgen in phantastischen Welten. Literatur bietet dem Menschen nicht nur ein Werkzeug, um mit Gedanken und Gefühlen umzugehen, sondern auch die Möglichkeit, sich aus den Einschränkungen des Alltags zu befreien.


Wer liest und schreibt bleibt länger gesund

Übrigens: Die Poesie- und Bibliotherapie wird von ÄrztInnen und PsychologInnen auch als Prävention von Erkrankungen jeglicher Art empfohlen. Wer liest und schreibt, bleibt also länger gesund.