Frieling-Verlag Berlin

Verlag sucht Autoren

Können Bücher die Welt verändern?


Der Autor, der schrieb, die Welt zu verändern

Die unterschiedlichsten Menschen schreiben Bücher und verfolgen dabei die unterschiedlichsten Zwecke. Manch einer möchte unterhalten, mancher Emotionen hervorrufen, ein anderer möchte seine Erfahrungen mit der Welt teilen, und wieder andere wollen gar die Welt verändern. 
Doch ist das nur ein hochgestecktes Ziel, ein unerfüllbares Ideal? Oder haben manche Bücher wirklich die Kraft, die Welt zu verändern?


Leben imitiert Kunst

Ein berühmtes Zitat von Oscar Wilde lautet: “Life imitates art far more than art imitates life”, also: „Das Leben imitiert die Kunst weitaus mehr als die Kunst das Leben“. Damit möchte er ausdrücken, dass Kunstwerke – seien sie aus der Literatur, Malerei, Film, Fotografie oder Musik – unsere Betrachtung des Lebens selbst verändern können. 

Der Künstler kopiert nicht einfach das, was er in der Natur vorfindet. Er verarbeitet persönliche Assoziationen und Gefühle und ermöglicht es seinem Publikum somit, seinen speziellen Blick auf die Welt zu teilen. So werden demjenigen, der mit dem Kunstwerk in Kontakt kommt, neue Sichtweisen eröffnet. Er bekommt Denkanstöße, welche Einfluss auf ihn und auch auf sein alltägliches Leben haben. 
Lese ich etwa ein Werk über eine inspirierende Person, welches mich sehr berührt, werde ich nach der Lektüre anstreben, dem Beispiel zu folgen und ebenfalls eine solche Person zu werden. Wird in einem Gedicht die Atmosphäre des Morgennebels eindrücklich beschrieben, wird ein berührter Leser auf seinem morgendlichen Weg zur Arbeit nach diesem Phänomen Ausschau halten und selbst dessen mystische Schönheit bewundern.


Bücher können auf Missstände hinweisen

In gleichem Sinne kann die Lektüre eines Buches den Leser aus seiner ‚sozialen Blase‘ herausholen. Kommt der Autor etwa aus einer bestimmten Gesellschaftsgruppe oder weiß gut über diese Bescheid, kann er in seinem Werk aus ihr heraus berichten und auf Probleme aufmerksam machen. Stammt der Leser wiederum aus einer anderen Gruppe und ist bis dato wenig oder überhaupt nicht mit der im Roman beschriebenen in Berührung gekommen, erfährt er durch diesen von der Situation und kann von seiner Position in der Gesellschaft aus eventuell im Kleinen etwas verändern. Wenn nun mehr und mehr Leser von den Missständen erfahren, kann es gar zu ganzen gesellschaftspolitischen Bewegungen kommen. 

So geschehen ist dies beispielsweise durch den Roman „Onkel Toms Hütte“ (“Uncle Tom’s Cabin”), in welchem die schlimmen Zustände der Sklavenhaltung in den USA portraitiert werden. Dieses Buch ebnete den Weg für den amerikanischen Bürgerkrieg und damit für die Abschaffung der Sklaverei.


Bücher machen Mut

Einen ähnlichen Effekt kann ein Buch auf Menschen haben, welche mit ähnlichen Situationen zu kämpfen haben wie die im Buch beschriebenen. Es kann Trost und Zuspruch sein. Um Menschen mit einem Buch zu helfen, muss es sich dabei nicht um einen Ratgeber oder ähnliches handeln. Im Gegenteil – oft hat gerade ein belletristischer Roman einen größeren Einfluss auf den Leser. Ein Roman ermöglicht es, dass man sich mit den Charakteren leicht identifizieren kann. Man schlüpft in die Haut des Protagonisten, sieht die Welt durch seine Augen und erfährt von intimen Gedanken und Gefühlen. Wenn der Leser nun mitbekommt, wie es dem Protagonisten in Situationen ergeht, welche er aus seinem eigenen Leben kennt, fühlt er sich weniger alleine und unverstanden mit seinen Sorgen und Ängsten. Überwindet der Protagonist eine schwierige Phase, schenkt das einem betroffen Leser Mut und Zuversicht.

Auch Menschen, welche jemanden in einer entsprechenden Situation kennen und sich fragen, was in diesem vorgeht und wie sie ihm helfen können, wird durch solch ein Buch geholfen, ihr Gegenüber zu verstehen.
Gerade wenn ein Autor in seinem eigenen Leben herausfordernde Abschnitte erlebt hat, kann er diese Erfahrungen gut in seinem Buch verarbeiten und damit anderen Menschen eine Stütze sein und nach und nach die gesamte Gesellschaft für bestimmte menschliche Probleme sensibilisieren.


Aus dem Käfig ausbrechen

Ein Buch kann auch als gesellschaftspolitische Studie dienen und der Welt somit einen Spiegel vorhalten. Oder es kann, ähnlich wie ein Manifest, eine ganz neue Gesellschaft mit anderen Werten entwerfen und ein Leben in dieser beschreiben. Ein berühmtes Genre, das genau das bezweckt, ist die Utopie. Hier wird entweder eine schöne Welt ausgemalt, die dem Leser durch den Vergleich mit der wirklichen Welt aufzeigt, welche Werte eine größere Rolle in unserer Gesellschaft spielen sollten, oder eine schreckliche Welt (Dystopie), in welcher aktuelle Ereignisse oft zugespitzt werden, um ihre problematische Natur zu offenbaren.

Somit werden die Leser auf Entwicklungen aufmerksam gemacht, welche besser zu vermeiden wären, und werden zum Handeln aufgerufen. Außerdem ist eine Utopie immer auch ein Blick über den Tellerrand, ein Blick über die Grenzen unserer Gesellschaft, der uns aufzeigt, welche Alternativen es geben kann.
Edward Bellamys Utopie „Ein Rückblick aus dem Jahr 2000 auf 1887“ (“Looking Backward”) gilt als eines der einflussreichsten Bücher des 19. Jahrhunderts und löste damals eine große Begeisterungswelle für den Sozialismus und einen Durst nach politischer Veränderung aus. Anhänger einer Utopie entschließen sich auch oftmals, eine utopische Gemeinschaft zu gründen und die im Roman dargestellte Gesellschaftsform im wahren Leben umzusetzen.


Wille zur Veränderung

Es lässt sich sagen, dass manche Bücher in der Tat die Macht haben, wirklich etwas zu bewegen. Bücher sind ein Medium, welches eindringlich und ausführlich wie kaum ein anderes über gesellschaftliche wie menschliche Probleme berichten kann. Dadurch bewegt es die Menschen und kann ihnen neue Sichtweisen eröffnen. Veränderung fängt bei jedem Einzelnen an und hat das Potential, sich immer weiter auszubreiten, bis sie schließlich stark genug ist, um selbst starre soziale Gebilde und Formen aufzubrechen und nachhaltig zu ändern.