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BOSNIEN UND HERZEGOWINA – Sitten, Gebräuche und Landestypisches

 

Bosnien und Herzegowina ist ein multinationaler und multireligiöser Kleinstaat. In Abhängigkeit von der religiösen Zugehörigkeit unterscheiden sich Bräuche und Riten.


Geburt in Bosnien und Herzegowina

Die Neugeborenen aller Religionsgruppen werden nach der Geburt in der Regel mit Geld beschenkt. Dieses Geschenk steht symbolisch für den Wunsch, dass es dem Neugeborenen im Leben an Wohlstand nicht mangeln soll.
Zum Schutz des Säuglings vor ansteckenden Krankheiten verlassen Mutter und Kind für einige Wochen nicht das Haus.
In einigen Gegenden wird dem Säugling ein Talisman angesteckt, um ihn vor "dem bösen Blick" zu schützen.


Hochzeit in Bosnien und Herzegowina

In Bosnien und Herzegowina bleibt die Braut bis zum Tag ihrer Hochzeit im Elternhaus wohnen. Sexueller Kontakt zwischen den beiden zukünftigen Eheleuten ist traditionell bei allen Religionsgruppen ein No-Go. Auch in der heutigen modernen Zeit bleibt man in dieser Hinsicht vor der Eheschließung äußerst diskret.
Am Tag der Hochzeit versammeln sich die Hochzeitsgäste des Bräutigams vor seinem Haus. Dann geht es mit einem Autokorso zum Haus der Braut.
Das Abholen der Braut ist mit zahlreichen kleinen Ritualen und Schenkungen verbunden, die sich lokal und in Abhängigkeit von der religiösen Zugehörigkeit voneinander unterscheiden. Bei den Katholiken und Russisch-Orthodoxen geht es in der Regel mit der abgeholten Braut zuerst zur kirchlichen Trauung und anschließend ins Haus des Bräutigams zur Hochzeitsfeier. Die religiöse Trauung bei den Muslimen wird oft einige Tage im Vorfeld der Hochzeitsfeier vollzogen. Die standesamtliche Trauung wird nebenbei erledigt. Diesem Akt wird keine große Bedeutung beigemessen.

Eine Tradition, die auch heute noch bei einigen Hochzeiten in Bosnien und Herzegowina besteht, ist die Übergabe eines Apfels an die Braut. Früher war dieser traditionell Teil des Brautgeschenkes und wurde von der Familie des Bräutigams mit Geldscheinen bestückt. Auch heute spielt der Apfel noch eine wichtige Rolle, denn die Braut erhält diesen während der Zeremonie und soll ihn nach der Eheschließung über das zukünftige Haus oder zumindest in dessen Richtung werfen. Dies soll Glück und Segen für die gemeinsame Zukunft bringen. Außerdem ist es üblich der Braut Brot zu schenken, als Zeichen für immerwährenden Wohlstand.
In einigen Teilen des Landes ist es üblich, der Braut ein männliches Kind der Familie auf den Schoß zu setzten, damit sie viele Söhne gebären möge.
Das Brautpaar wird traditionell von der Familie reich beschenkt. In jüngster Zeit sind es hauptsächlich Geldgeschenke.


Tod / Beerdigungsriten / Trauer in Bosnien und Herzegowina

Die Beerdigungen werden nach der jeweiligen religiösen Zugehörigkeit unterschiedlich zelebriert.
Die Muslime werden möglichst zeitnah, also vor dem nächsten Sonnenuntergang beerdigt. Vor dem Begräbnis wird der Leichnam in der Mosche der rituellen Waschung unterzogen und in ein weißes Tuch gewickelt. Anschließend wird der Leichnam auf einer Art Brett (Tabut) von Männern und dem Imam begleitet zum Friedhof getragen und unter islamischen Gebeten beigesetzt. Die Frauen bleiben im Haus und gehen nicht zum Friedhof.
Bei den Katholiken ist eine Aufbahrung des Toten in seinem Haus üblich. Bis zu zwei Tage kann man sich von dem Verstorbenen am offenen Sarg verabschieden. In der Regel wird jeweils kurz gebetet, anschließend küsst man die Stirn des Verstorbenen als Zeichen der Verabschiedung. Gemeinsam mit dem Priester, der vor der Schließung des Sarges Gebete spricht, macht man sich auf dem Weg zum Friedhof. Anschließend werden alle Beerdigungsgäste zum Essen eingeladen. Erwachsene aus der Familie tragen je nach Verwandtschaftsgrad bis zu einem Jahr schwarze Kleidung als Zeichen der Trauer. Während dieser Zeit wird weder gefeiert, noch Musik gehört.
In einem ähnlichen aber religiös abweichendem Ablauf werden auch Beerdigungen bei den Verstorbenen der Angehörigen russisch-orthodoxer Kirche durchgeführt. Auch hier ist eine offene Aufbahrung des Toten üblich. Alle Spiegel im Haus werden abgedeckt. Anders als bei den Katholiken versammeln sich die Trauergäste mehrmals, um den Verstorbenen zu verabschieden. Drei Tage nach der Beerdigung, eine Woche nach der Beerdigung und 40 Tage nach der Beerdigung wird am Friedhof gegessen und auf die Seele des Toten angestoßen. Das Tragen der schwarzen Kleidung bis zu einem Jahr ist hier auch üblich. Während der Trauerzeit werden keine Feiern im Haus veranstaltet.


Feste und Feiertage in Bosnien und Herzegowina

In der Förderation werden am 1. März der Unabhängigkeitstag gefeiert, erinnert wird dabei an den Abschluss des Referendums zur Unabhängigkeit am 29. Februar/1. März 1992. Am 25. November wird außerdem der Nationalfeiertag gefeiert und somit an die Ausrufung der Republik Bosnien und Herzegowina in Mrkonjić Grad am 25. November 1943 erinnert.


Landestypisches / Besonderheiten aus Bosnien und Herzegowina

  • Die Menschen in Bosnien und Herzegowina haben den Ruf, humorvolle Menschen zu sein. Sie lachen gern über sich und über alle anderen. Musik und große Feiern gehören zum Lebensinhalt und sind ein Bindeglied der vielen unterschiedlichen Nationalitäten des Landes.
  • Aus Bosnien und Herzegowina stammt der Literaturnobelpreisträger (1961) Ivo Andric (Die Brücke an der Drina). International bekannte Regisseure wie Emir Kusturica (Goldener Löwe in Venedig / zweifacher Träger der Goldenen Palme in Cannes) und Denis Tanovic (Goldene Palme in Cannes / Oskar für den besten fremdsprachigen Film 2001) stammen ebenfalls aus Bosnien und Herzegowina.