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DEUTSCHLAND  Sitten, Gebräuche und Landestypisches


Geburt in Deutschland

In Deutschland gibt es in den verschiedensten Regionen die unterschiedlichsten Rituale.

In Norddeutschland beispielsweise das „Babypinkeln“. Nach der Geburt findet dort ein Fest unter diesem Namen statt. Ursprünglich sollte dem Baby durch das Trinken von Alkohol (meist durch den Vater und seine Freunden) geholfen werden, beim ersten Mal „pinkeln“ keine Schmerzen zu haben.

Im Osten Berlins schlachtet der frischgebackene Vater mit seinen Freunden, Verwandten und der Nachbarschaft teilweise noch nach alter Tradition ein Huhn. Das geschlachtete Huhn wird gerupft und aus ihm eine Hühnerbouillon zubereitet. Männer, die selbst bereits Väter sind, dürfen die Bouillon mit Pouletfleisch kosten, kinderlose Männer erhalten nur die Bouillon.

In anderen Gegenden stellen Freunde und Verwandte nach der Geburt eines Kindes einen hölzernen Storch in den Garten der Familie des Neugeborenen. Manchmal hält dieser ein Baby in einer Windel im Schnabel. Wenn das Band blau ist, wurde ein Junge geboren, bei einem rosanen Band ein Mädchen. 

In Bayern und dem Alpenraum gibt es die alte Tradition „Bixn und Lumpn“. Dabei wird am Straßenrad ein Schild mit der Aufschrift „Zur Bixnmacherei“ aufgestellt. Hängen an diesem leere Blechdosen, bedeutet dies, dass ein Mädchen geboren wurde. Früher waren Mädchen sehr teuer, denn zum einen benötigten sie zum Heiraten eine Mitgift und zum anderen verdienten sie nichts, da sie „nur“ im Haushalt halfen. Die Büchsen sollten daher die Nachbarn und Freunde dazu animieren, Geld für den armen Vater zu spenden. Wenn ein junge geboren wurde, wurden Lumpen an das Schild gehängt. 


Hochzeit in Deutschland

Auch in Deutschland gibt es viele verschiedene Hochzeitsbräuche. Einige weitverbreitete haben wir hier zusammengetragen.

Am Tag vor der Trauung findet oftmals traditionell der Polterabend statt. Dabei sollen durch das Zerschlagen von Porzellan böse Geister vertrieben werden. Glas darf allerdings nicht zerschlagen werden, da dies als Unglückssymbol gilt. Die Scherben müssen anschließend vom zukünftigen Brautpaar gemeinsam zusammengekehrt werden. 

Nach der Zeremonie, beim Verlassen der Kirche, wird das Brautpaar oft mit Reis beworfen. Dies steht für den Wunsch nach einer fruchtbaren und kinderreichen Ehe. Einige Hochzeitsgesellschaften entscheiden sich allerdings auch aus ethischen und umwelttechnischen Gründen allen Gästen beim Verlassen der Kirche kleine Seifenblasenfläschchen zu überreichen. Während das Brautpaar die Kirche verlässt, pusten die Gäste Seifenblasen. Die Seifenblasen werden dabei als Symbol für die Träume und Wünsche des Brautpaars gesehen, die in Erfüllung gehen sollen. 

In einigen ländlicheren Regionen wird nach der Trauung ein auf einem Sägebock liegender Holzstamm von Braut und Bräutigam gemeinsam zersägt. Dafür wird eine Schrotsäge verwendet, bei der es darauf ankommt, abwechselnd zu ziehen. Dieser Brauch steht für die gemeinsame und gleichberechtigte Arbeit, die das Paar in seiner Ehe anstreben sollte. Er symbolisiert außerdem die Balance von Reden und Hören, aktiv und passiv sein und die notwendige Aufmerksamkeit für die jeweiligen Bedürfnisse des Partners. 


Tod / Beerdigungsriten / Trauer in Deutschland

Bei Eintritt des Todes wird oft eine Sterbekerze entzündet. Manchmal wird dafür die Tauf- oder Erstkommunionskerze verwendet, sollte diese noch vorhanden sein. Das Licht der Kerze soll dem Verstorbenen den Weg in die Ewigkeit erhellen und zur inneren Erleuchtung helfen.

Das Sterbekreuz oder Festhaltekreuz wird einem Schwerkranken oder Sterbenden in die Hände gelegt, sodass er Gott im Moment des Todes nahe ist und sich daran festhalten kann. Außerdem gibt es die Variante, ein Sterbekreuz nach dem Tod aufzustellen. Diese sind oftmals in katholischen Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen zu sehen.

Es ist üblich, unmittelbar nachdem der Tod eingetreten ist, das Fenster zu öffnen oder zu kippen. Dieser Brauch entstand vor einigen Jahrhunderten aus der Vorstellung heraus, dass die Seele des Verstorbenen so in den Himmel entweichen kann.

Nachdem der Sarg oder die Urne während der Beerdigung in das Grab hinabgelassen wurde, geht die Trauergemeinde daran vorbei und erweist dem Toten die letzte Ehre. Früher war es oft üblich, dass jeder eine Handvoll Erde in das Grab fallen ließ. Dies sollte das gemeinsame Bedecken des Sarges oder der Urne und die Vergänglichkeit des Körpers symbolisieren. Heutzutage ist es auch üblich, anstelle der Erde einige Blumen, Blütenblätter oder Sand ins Grab zu werfen. 

Eine weit verbreitete, alte Tradition ist der Beerdigungskaffee. Beim gemeinsamen Essen oder Kaffeetrinken im Anschluss an die Trauerfeier geht es darum, im Gedenken an den Verstorbenen beieinander zu sein. Dies soll den Angehörigen zeigen, dass sie nicht allein sind und das Leben weitergeht. Außerdem bietet es einen schönen Rahmen, um sich gemeinsam an den Verstorbenen zu erinnern und Anekdoten und Geschichten über ihn zu erzählen. Dieses Beisammensein, die Erinnerungen und Gespräche können den trauernden Hinterbliebenen helfen, etwas Abstand zum Schmerz über den Verlust zu gewinnen und ist ebenso eine gute Gelegenheit, um alte Kontakte zu pflegen oder wieder aufleben zu lassen. Früher hatte diese Tradition einen ganz praktischen Sinn, da man Verwandten, die von weit her angereist waren, sowie den Sargträgern nach ihrer schweren körperlichen Arbeit etwas zu Essen anbieten wollte.  


Feste und Feiertage in Deutschland

In Deutschland feiern wir viele Feste, was so gut wie jedem bekannt sein mag. Daher haben wir uns überlegt, einen etwas anderen Brauch vorzustellen:

Den Aprilscherz

Schon seit dem 17. Jahrhundert ist dieser in Deutschland überliefert. Auch heute noch besteht in Deutschland der scherzhafte Brauch, am 1.April jemanden mit einem Scherz in den April zu schicken. Die Redensart „in den April schicken“ findet sich zuerst 1618 in Bayern. 

Warum der Brauch ausgerechnet am 1. April stattfindet, ist nicht sicher geklärt. Es wird spekuliert, dass er von Frankreich nach Deutschland gelangte und es damit zusammenhängen könnte, dass Karl IX. im Jahr 1564 den Neujahrstag vom 1. April auf den 1. Januar verlegte. 

Sogar in der Literatur findet sich der alte Brauch wieder. So dichtet Goethe:

Willst du den März nicht ganz verlieren,
So lass nicht in April dich führen.
Den ersten April musst überstehen,
Dann kann dir manches Gute geschehen.

Der April wird in Deutschland außerdem mit einem unbeständigen Wetter in Verbindung gebracht. So sagt auch eine alte Wetterregel „April, April, der weiß nicht, was er will.“ Andere Redewendungen sind heute umgangsprachlich noch geläufig, zum Beispiel „er ist launisch wie der April“ oder „ein Gesicht wie Aprilwetter“ (zwischen Lachen und Weinen).  


Landestypisches / Besonderheiten aus Deutschland

  •  Wussten Sie, dass die Farbe des Weißen Hauses aus Diedorf in Bayern kommt? 
  • Wussten Sie, dass ein Durchschnittsberliner 20 Currywürste im Jahr isst – das ist doppelt so viel wie der Durchschnittsdeutsche. 
  • In Deutschland herrscht das Reinheitsgebot für Biere, ein Regelwerk für die Produktion des Durstlöschers auf Hopfenbasis. 
  • Schon seit dem 19. Jahrhundert ist der Ausbruch aus dem Gefängnis straffrei, nicht aber die Straftaten, die während des Ausbruchs begangen werden. Mit diesem Gesetz wird der natürliche Freiheitsdrang des Menschen anerkannt.
  • Wer einen Polizisten duzt, muss 600€ Strafe zahlen.
  • Das Erfrischungsgetränk Fanta wurde 1941 in Deutschland erfunden, da die Einfuhr des Coca-Cola Konzentrats verboten war. Damals bestand Fanta aus Molke und Apfelfruchtfleisch, erst 1955 wurde in Italien eine Orangenrezeptur ausprobiert.