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Eine Buchrezension schreiben

Buchrezensionen sind vom literarischen Markt nicht wegzudenken. Sie informieren über Neuerscheinungen und sind Kaufentscheidungshilfe, so dass Rezensionen über Erfolg und Misserfolg eines Buches entscheiden können. Das sollten Sie vor Augen haben, wenn Sie selbst eine Rezension schreiben möchten. Am Beispiel der Rezension eines nicht existierenden Romans soll gezeigt werden, worauf es ankommt.


Die Vorarbeit für eine Buchrezension

Wesentliche Voraussetzung ist natürlich, dass Sie das zu rezensierende Buch von Anfang bis Ende gelesen und nicht nur einfach überflogen haben. Um sich vorzubereiten, machen Sie sich während der Lektüre Notizen und markieren wichtige Textpassagen, die Sie dann in Ihre Rezension einarbeiten.


Gliederung einer Buchrezension

Eine Buchrezension gliedert sich in zwei Teile. Den Anfang macht eine wertfreie Vorstellung des Romans. Erst im zweiten Teil erfolgt Ihre begründete Meinung, welche Sie mit einem Gesamteindruck und einer Kaufentscheidungshilfe für die Leser abschließen.
Der Anfang: Handlung und Thema vorstellen
Im ersten Teil der Rezension informieren Sie über den Autor, Titel, die Gattung und wann und wo das Buch erschienen ist. Danach erzählen Sie in eigenen Worten die Handlung nach. Die Inhaltsangabe sollte länger als der Klappentext sein und einige wichtige Details enthalten, aber nicht das Ende des Romans verraten. Vergessen Sie nicht, das Hauptthema des Romans zu nennen.


Beispiel für den Anfang einer Rezension

„Der Schnarcher“ ist Henry Pangasius‘ Debüt-Roman, ein Fantasy-Krimi, der 2019 im Nimmerland Verlag erschienen ist. Wir schreiben das Jahr 1955. In einer Kleinstadt in England lebt der 16-jährige Tony und leidet an einer verhängnisvollen Gabe: Wenn er nachts schnarcht und am nächsten Morgen erwacht, weiß er, dass an dem Tag ein Gewaltverbrechen geschehen wird. Diesmal wird er Zeuge eines Verbrechens, behauptet aber, den Täter nicht erkannt zu haben. Verdächtigt sind ein mit ihm befreundeter junger Mann, der zum fahrenden Volk gehört, sowie Tonys Vater, der seit dem Tod seiner Frau dem Alkohol verfallen ist. Als es zur Verhandlung kommt, wird Tony als Zeuge vorgeladen und verwickelt sich in derartige Widersprüche, dass er selbst in den Verdacht gerät, der Mörder zu sein. Alles bekommt eine ganz andere Wendung, als jemand versucht, Tony zu töten. Auch wenn der Held von „Der Schnarcher“ über übersinnliche Kräfte verfügt, geht es im Roman um die innere Zerrissenheit eines jungen Mannes, der sich zwischen der Loyalität zu einem Freund und der Liebe zum eigenen Vater entscheiden muss.


Die Buchkritik: Inhalt und Stilmittel, Sprache und Schlüssigkeit der Handlung 

Nachdem Sie die Handlung und das Thema des Buches vorgestellt haben, schreiben Sie die eigentliche Rezension, und zwar in Form einer konstruktiven Kritik. Witz und Ironie sind erlaubt, nicht jedoch Schmähkritik und Beleidigung. Auch sollten Sie kein übertriebenes Loblied erklingen lassen. In diesem Teil der Buchkritik treffen Sie Aussagen über den Inhalt und Stil, die Stilmittel und Sprache sowie die Schlüssigkeit der Handlung. Wichtig ist, jeden einzelnen dieser Punkte für sich genommen abzuarbeiten und nicht zwischen den jeweiligen Punkten hin und her zu springen. Die Buchrezension gibt wieder, was Sie aufgrund der o.g. Punkte vom Buch halten. Und um Ihre Meinung zu belegen, lassen Sie nun die markierten Textpassagen einfließen.


So könnte Ihre Rezension von „Der Schnarcher“ aussehen

Der innere Konflikt ist im Roman nicht ganz schlüssig ausgearbeitet. Henry Pangasius kann dem Leser nicht deutlich vermitteln, warum Tonys Freundschaft zu einem Mitglied des fahrenden Volkes genauso groß ist wie seine Liebe zu einem Vater, der den Sohn oft schlägt. Sehr gelungen hingegen ist die Darstellung von Tonys innerem Kampf. Seine Emotionen werden von Pangasius lebensnah dargebracht, indem er nicht bloß mit Adjektiven um sich schmeißt, sondern die körperlichen Symptome bildhaft beschreibt. »Tonys Hände wurden feucht und kribbelten. Der Schweiß rann ihm am Rücken herunter wie ein Wasserfall. War nur ihm so heiß, oder erging es allen so im Gerichtssaal? Alle Augen waren auf ihn gerichtet, und sie schienen, ihm die Kehle zuschnüren zu wollen.« Der Autor zeigt, wie sich Tony fühlt, statt Gefühle und Empfindungen mit Worten zu beschreiben. Henry Pangasius‘ Sprache ist umgangssprachlich und jugendorientiert, weil vor allem Jugendliche angesprochen werden sollen. Er verwendet kurze und prägnante Sätze und verzichtet auf Fremdwörter.


Fazit bei einer Buchrezension

Das Ende einer Buchrezension ist das, worauf es dem Leser ankommt. Er möchte erfahren, ob sich der Kauf des Buches lohnt oder nicht. In keinem Fall sollten jetzt Abwertungen wie „schade um das Geld“ einfließen. Lieber schreiben, für wen sich das Buch lohnen könnte und für wen nicht. Zu welchem Gesamteindruck Sie auch immer kommen, Sie sollten ihn begründen.


So könnte Ihr Gesamteindruck von „Der Schnarcher“ sein

„Der Schnarcher“ ist kein klassischer Fantasy-Roman mit Feen und Elfen, sondern zeigt sehr lebhaft den inneren Konflikt eines Teenagers mit übersinnlichen Fähigkeiten, der sich zwischen Moral, Liebe und Loyalität entscheiden muss. Pangasius führt uns die Innenwelt eines Heranwachsenden vor, mit dem sich vor allem junge Leser identifizieren können. Ein Wermutstropfen ist die nicht ganz schlüssige Rahmenhandlung. Hier hätte mehr Hintergrundgeschehen den inneren Konflikt Tonys glaubwürdiger gemacht. Auch lässt der Autor seine Leser darüber im Unklaren, was Tonys Schnarchen mit seiner Fähigkeit zu tun haben, Verbrechen vorauszusehen. Freunde des Fantasy-Genres werden sich ein phantasievolleres Geschehen mit mehr Hokuspokus und Fantasy-Gestalten wünschen. Bei der Auswahl des Buchtitels hätte man sich auch etwas mehr Fantasie gewünscht. Dennoch wird der Roman all jene Leser ansprechen, die sich eine spannende Story wünschen und ein Faible für seelische und gesellschaftliche Konflikte haben. Im konservativen England der 1950er sind diese Konflikte besonders markant. Dennoch ist der Konflikt, den Tony erlebt, zeitlos und überzeugend dargestellt. Fazit: Trotz einiger Schwächen hat mir „Der Schnarcher“ gut gefallen. Mit einer Prise Übersinnlichkeit und einer völlig unverhofften Wendung erreicht das Buch das, was ich von einem guten Roman erwarte: mich in Spannung zu versetzen, die Realität vergessen zu lassen und mit dem Helden zu fiebern.