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Eine Familiensaga schreiben - Schreibtipps



Eine Familiensaga, auch Generationenroman, beschreibt das Schicksal mehrerer Generationen. Im Gegensatz zu einem Familienroman geht es dabei nicht um Eltern und Kinder, sondern um mindestens drei Generationen.

 

Entwicklung einer Familiensaga

Da das Thema Familie jeden Menschen betrifft, wurde auch schon vor sehr langer Zeit darüber geschrieben, etwa in den Sagen der Antike, in der Bibel und mittelalterlichen Epen. Anfang des 20. Jahrhunderts werden erstmals verstärkt mehrere Generationen in Romanen thematisiert. Besonders bekannt sind Thomas Manns Buddenbrooks (1901) und John Galsworthys Trilogie Die Forsyte-Saga (1906-1925). Nach dem Zweiten Weltkrieg hielt man solche Themen für trivial und abgedroschen, doch in den 1970ern und 1980ern entstanden immer mehr „Vaterbücher“, die den Weg für neue Familiensagen ebneten. Zu diesen Neuerscheinungen gehören Philip Roths American Pastoral (1997) und Jeffrey Eugenides Middlesex (2002).

Figurenkonstellationen einer Familiensaga

Da dieses Genre den Fokus auf das Leben von drei oder mehr Generationen einer Familie legt, muss es viele Charaktere geben, mehr als in den meisten anderen Büchern. Vor allem da es mehrere Zeitabschnitte gibt, die zwar ein paar Figuren gemeinsam haben, aber natürlich immer wieder eine neue Generation dazukommt. Dabei besteht die Gefahr, dass das Buch zu unübersichtlich wird und der Leser den roten Faden verliert. Eine gute Strategie ist daher, sich auf wenige Hauptcharaktere pro erzähltem Zeitabschnitt zu beschränken, die Nebencharaktere können dann einfach als Mutter von …, Schulfreundin von … abgespeichert werden.
Interessant kann es auch sein, Figuren in mehreren Perioden in unterschiedlichen Rollen auftauchen zu lassen, zum Beispiel erst als junges Mädchen, später als verbitterte Frau, und so die Hintergründe des menschlichen Verhaltens zu erklären. Spannend ist es zudem, mit dem Zeitstrahl zu spielen und die Handlung nicht chronologisch ablaufen zu lassen, sodass die Ursprünge der Familie zum Beispiel bis zuletzt ein Geheimnis bleiben.
Bei so vielen Charakteren ist es auch wichtig, sie nicht stereotypisch darzustellen, niemand ist nur naiv, aggressiv oder weise. Durch lebensechte Persönlichkeiten wird eine Familiensaga für den Leser zu der Geschichte einer echten Familie. Außerdem kann sich durch die Fülle der Figuren jeder Leser mit zumindest einer Person identifizieren. Auch Parallelen zwischen den Mitgliedern verschiedener Generationen können zum Lesegenuss beitragen, wenn sich bestimmte Verhaltensmuster wiederholen und die gleichen Fehler gemacht werden.
Natürlich muss sich die Saga nicht auf eine einzige Familie beschränken, es kann auch um das sich wandelnde Verhältnis zu einer anderen Familie gehen. Am hilfreichsten ist es sicher, einen großen und detaillierten Stammbaum der Familie zu erstellen, um den Überblick nicht zu verlieren und keine Chronologie-Fehler einzubauen.

Themen einer Familiensaga

Thematisch kann eine Familiensaga vieles beinhalten. Typische Themen sind Generationenkonflikte, Erbschaften und Familiengeheimnisse, aber auch die persönlichen Träume und Probleme jedes Familienmitglieds. Ein interessanter Ansatz ist es auch, die gleichen Themen über Generationen hinweg zu verfolgen, zum Beispiel das Streben nach finanzieller Sicherheit oder den Kampf gegen Rassismus.
Da die Familiensaga mehrere Jahrzehnte umspannt, kann sie gut zur Darstellung geschichtlicher Veränderungen genutzt werden. Beispielsweise kann die älteste Generation vor dem Zweiten Weltkrieg erwachsen werden, die nächste in der Nachkriegszeit und die dritte in der relativen Sicherheit der Mitte des Jahrhunderts. Die Saga kann sogar von einem historischen Ereignis bis in die Gegenwart reichen. Aber es müssen nicht immer die großen Ereignisse ausschlaggebend sein, es kann auch um Besonderheiten eines bestimmten Zeitabschnitts gehen, zum Beispiel um eine bestimmte Musikrichtung, die das Leben einer Generation prägte, oder um einzigartige gesellschaftliche Umstände. Oder der Fokus liegt auf den finanziellen und persönlichen (Miss-)Erfolgen der Generationen.
Auch der Schauplatz der verschiedenen Zeitabschnitte ist flexibel wählbar. Der ganze Roman kann an einem Ort spielen, beispielsweise in einem Familienanwesen oder einem bestimmten Viertel, aber auch in verschiedenen Städten oder Ländern, in die es einige Familienmitglieder verschlagen hat. Interessant könnte auch ein Kreislauf sein, bei dem die jüngste Generation wieder zu ihren Wurzeln zurückkehrt.
All diese Elemente sind auch mit anderen Genres kombinierbar. Game of Thrones (Das Lied von Eis und Feuer) zum Beispiel ist zwar eine Fantasyreihe, aber zugleich die Chronik mehrerer Familien über viele Generationen hinweg. So kann eine Familiensaga auch gleichzeitig Elemente eines Abenteuer- oder Coming-of-Age-Romans haben, solange die verschiedenen Generationen im Vordergrund stehen.

Viel Spaß beim Schreiben!


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