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Novelle – Bedeutung, Eigenschaften und Schreibtipps


Bekannte Novellen

Ihren Höhepunkt erlebte diese Gattung im 19. Jahrhundert, und zwar in der Epoche des Realismus. Theodor Storms „Der Schimmelreiter“, Theodor Fontanes Kriminalgeschichte „Unterm Birnbaum“, Heinrich von Kleists „Michael Kohlhaas“ und Annette von Droste-Hülshoffs Sittengemälde „Die Judenbuche“ gehören dazu. Bekannte Novellen aus dem 20. Jahrhundert sind Thomas Manns „Der Tod in Venedig“ und Günter Grass’ „Katz und Maus“.


„Novelle“ versus „novela“ und „novel“

Die Bezeichnung „Novelle“ leitet sich aus dem Lateinischen „novus“ für „neu“ oder aus dem Italienischen „novella“ ab und heißt nichts anderes als „Neuigkeit“. Eine Novelle hat daher nichts mit „novela“ oder „novel“ zu tun, die die spanischen und englischen Bezeichnungen für die Gattung Roman sind. 


Die Unterschiede zwischen einer Novelle und einem Roman

Eine Novelle thematisiert ein außergewöhnliches, unerhörtes oder neuartiges Ereignis. Sie ist in der Regel kürzer als ein Roman und länger als eine Kurzgeschichte, wobei nicht der Umfang eine Gattung bestimmt. Es gibt Novellen, die länger als manch ein Roman sind. Kennzeichnend für eine Novelle ist ihr szenischer Ausschnitt mit Schauplätzen, die wie Bühnenbilder gestaltet sind, während die Handlung eines Romans als breites Gemälde mit Milieuschilderungen und sich verändernden Protagonisten ausgelegt ist.


Thema einer Novelle

Das Thema einer Novelle ist ein außergewöhnliches Ereignis und nichts Alltägliches. Ein Schicksalsschlag, eine Krise, die menschliche Psyche und selbst Metaphysisches können in einer Novelle literarisch verarbeitet werden, wobei alles in der realen Welt spielt. Die Novelle behandelt zumeist reale, aber auch übernatürliche Konflikte und stellt sie in überzogener Form dar. Am Ende spitzt sich der Konflikt so zu, dass es zu einer Katastrophe oder einer Auflösung kommt.


Merkmale einer Novelle

1. Eine Haupthandlung mit meist nur einer Hauptfigur (zum Beispiel ein Außenseiter), die aus der Sicht eines der Protagonisten erzählt wird.
2. Wenige Protagonisten agieren um die Hauptfigur herum.
3. Eindimensionale Figuren, die sich nicht entwickeln: Die Leserschaft erhält wenige Hintergrundinformationen über die Charaktere. Sie werden nicht von einem auktorialen Erzähler beschrieben, sondern durch die direkte, indirekte und erlebte Rede sowie inneren Monologe der Figuren. 
4. Der Fokus der Handlung liegt auf dem, was der Hauptfigur widerfährt, und nicht auf ihr selbst.
5. Ein weiteres Merkmal der Novelle ist die Verwendung von Metaphern, um die Aussage der Novelle zu untermauern. 


Handlung der Novelle

Die Handlung ist straff, zumeist ohne Rückblenden, spielt in der realen Welt und wird in der Regel nicht in chronologischer Form erzählt. Dafür ziehen sich immer wiederkehrende Bilder, Symbole oder Leitmotive durch die Handlung. Und ganz wichtig: Es geschehen unerwartete Ereignisse, die den vorherigen Begebenheiten zu widersprechen scheinen. Ein Wendepunkt, z. B. eine Krise im Leben der Hauptfigur, prägt den weiteren Verlauf der Handlung. Hier können irrationale oder unkontrollierbare Mächte in das Leben der Protagonisten eingreifen und einen Schicksalsschlag auslösen. Das Ende der Novelle schreibt der gesamten Geschichte rückwirkend eine neue Bedeutung zu, wobei das Ende geschlossen ist, ohne offenbaren zu müssen, was aus der Hauptfigur wurde.



Ein Beispiel: „Katz und Maus“ von Günter Grass

Die Novelle aus dem Jahr 1961 spielt im Zweiten Weltkrieg. Sie thematisiert die kontroverse Beziehung der beiden Schulkameraden Mahlke und Pilenz und wird im Rückblick von Mahlkes Schulkameraden Pilenz erzählt, der eine Art Hassliebe zu Mahlke verspürt und ihm oftmals üble Streiche spielt. Mahlke fühlt sich als Einzelkind und Halbwaise, leidet unter Einsamkeit und versucht, seinen auffälligen Adamsapfel durch Schmuck zu verdecken, wodurch er ihn aber erst recht betont. Um seiner Außenseiterrolle zu entfliehen, versucht er, sportliche Höchstleistungen zu erzielen. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Handlung. Seine unstillbare Sucht nach Anerkennung treibt ihn schließlich zu widersprüchlichen Handlungen. Obwohl er ein militärisches Denken verabscheut, richtet sich sein Interesse auf das Ritterkreuz, als er mitbekommt, wie viel Anerkennung soldatische Leistungen bringen. Er verachtet den Krieg, dennoch treibt es ihn, als Panzergrenadier an Schlachten teilzunehmen. Das Thema von Grass’ Novelle lautet: Außenseiter kämpft um Anerkennung und setzt sich dabei selbst unter Druck, ohne etwas zu erzielen oder sich selbst zu verändern. Die symbolische Aussage von „Katz und Maus“ lautet für Mahlke: Nur wer sich selbst liebt und anerkennt, wird geliebt und anerkannt. Auf der anderen Seite steht Pilenz, der an Mahlke hängt, sich gern mit ihm in der Öffentlichkeit zeigt und sich ohne dessen Anwesenheit unvollkommen fühlt, vor allem, als Mahlke von einem Tauchgang nicht mehr wiederkehrt. Aus Pilenz, der eine Art Jäger symbolisiert, als er Mahlke auf dem Sportfeld eine Katze an die Gurgel setzt, damit sie nach der „Maus“ (Mahlkes Adamsapfel) greift, wird nach Mahlkes Verschwinden ein Gejagter. Er fühlt sich ständig an seine schuldhaften Handlungen erinnert. Die Rollen von Katze und Maus haben sich ins Gegenteil verkehrt.

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