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Freiheit und freies Denken

Was bedeuten für uns freies Denken und ein selbstbestimmtes Leben, und wann ist diese Freiheit in Gefahr?



In der Antike bedeutete Freiheit, kein Sklave zu sein. Heute ist mit Freiheit die Möglichkeit zur Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung gemeint. Wir möchten über unser Leben gerne selbst bestimmen. Wir möchten uns unseren Beruf selbst aussuchen und entscheiden, mit wem wir zusammenleben, ob und wohin wir verreisen und mit wem. Entscheiden zu können, ist ein menschliches Grundbedürfnis. Doch sind wir wirklich frei in unserem Denken und in unseren Entscheidungen, und können wir wirklich selbstbestimmt leben?


Selbstbestimmung bedeutet, die Freiheit zu haben, zu …

Selbstbestimmung ist Freiheit. Die Freiheit, aus mehreren Optionen zu wählen. Die Freiheit, wo wir wohnen wollen, was wir mit unserer Zeit anstellen. Die Freiheit, wofür wir unser Geld ausgeben. Und wir möchten frei denken können. Ein Leben ohne Freiheit kommt einem Freiheitsentzug gleich und ist nicht nur eine Strafmaßnahme, durch die ein Mensch sein Recht auf Selbstbestimmung verliert, sondern tritt auch in diktatorischen Gesellschaftsformen zutage. In solchen Gesellschaften wird die Freiheit des Individuums zugunsten religiöser, moralischer oder politischer Normen geopfert oder stark eingeschränkt. In solchen Systemen wird von einem erwartet, sich zum Wohle eines vermeintlich höheren Ziels unterzuordnen. Ein gutes Beispiel für ein solches System war die DDR, in der der Großteil der Bevölkerung zum Beispiel keine Reisefreiheit hatte und sich dem System unterwerfen und sich an dieses anpassen musste. Doch die Menschen streben nach Freiheit und kämpfen für ein selbstbestimmtes Leben. In der DDR riskierten viele sogar ihr Leben, wenn sie „Republikflucht“ begangen. Doch auch in demokratischen Gesellschaften stellt sich die Frage: Wie selbstbestimmt können wir wirklich sein? Sind wir wirklich so frei, selbstbestimmt und ganz ohne Zwänge zu leben?


Selbstbestimmung ist eine wackelige Angelegenheit

Eines steht fest: Zu Beginn unseres Daseins, wenn wir noch nicht volljährig sind, können wir nicht über unser Leben bestimmen, wie wir es uns wünschen würden, denn als Kinder und Jugendliche sagen unsere Eltern, wo es langgeht:
• Iss deinen Spinat!
• Du musst in den Kindergarten!
• Du gehst zur Schule!
• Räum dein Zimmer auf!
• Du musst um 22 Uhr zu Hause sein!
• Keine Widerrede!
Kurzum: Als Kind und Teenager ist unsere Freiheit ziemlich eingeschränkt. Sobald wir aber volljährig sind, schütteln wir die Fesseln der Fremdbestimmung durch unsere Eltern ab und halten uns für maximal selbstbestimmt. Endlich sind wir frei, um all die Dinge zu tun, die unsere Eltern uns verboten hatten. Wir können allen erdenklichen Lastern frönen. Ist dem wirklich so? Ja, in der Theorie könnten wir es, aber selten schöpfen wir diese Freiheit aus, denn nun gehen wir eine Verpflichtung nach der anderen ein.


Mit jeder Verpflichtung schrumpft unsere Selbstbestimmung

Ohne es zu merken, werden wir nach und nach Gefangene unserer selbst getroffenen Entscheidungen. Das fängt in der Liebe an. Wir suchen uns einen Partner, und wenn wir ihn oder sie gefunden haben, wird früher oder später eine Entscheidung getroffen, die auch mit der Aufgabe der künftigen Freiheit in der Liebe verbunden ist. Verstoßen wir gegen diesen einvernehmlichen und gegenseitigen „Freiheitsentzug“, müssen wir mit den Konsequenzen leben. Und so bleibt uns oft nur die Freiheitsillusion, dass wir ja theoretisch andere Frauen oder Männer haben könnten, wenn wir es nur wollten. Wenn es uns wichtig genug wäre. Dennoch machen wir uns hier etwas vor, denn mit dieser Illusion der Freiheit verdrängen wir, dass wir nicht mehr frei sind. Wir haben uns auf einen Kompromiss eingelassen.


Der goldene Käfig der finanziellen Verpflichtungen

Nicht viel anders verhält es sich, nachdem wir selbstbestimmt einen Beruf gewählt und erlernt oder ein Studium absolviert haben und plötzlich unser eigenes Geld verdienen. Denn nun können wir uns viele Dinge leisten und unsere kleinen und großen materiellen Träume verwirklichen. Und wenn wir dann beruflich die Karriereleiter erklimmen, verdienen wir noch mehr Geld, uns geht es dann so richtig gut – obwohl mit dem zunehmend höheren Gehalt auch unsere Lebenshaltungskosten steigen. Und wenn wir uns irgendwann eine Wohnung oder gar ein Haus kaufen, dann können wir die monatlichen Raten problemlos von unserem wunderbar hohen Einkommen zahlen. Ohne es zu merken, sind wir aber nun in einem Netz aus finanziellen Verpflichtungen gefangen, die unser Lebensstil mit sich bringt. Das hat zur Folge, dass wir nun nicht einfach so den Job aufgeben können, weil er uns nicht mehr gefällt oder der Chef uns mobbt. Wir können auch nicht einfach etwas anderes ausprobieren oder entscheiden, nur noch halbtags zu arbeiten. Das geht alles nicht mehr, denn schließlich wollen unsere finanziellen Verpflichtungen bedient werden. Ganz zu schweigen von den Verpflichtungen gegenüber unserer Familie. Jede langfristige finanzielle Verpflichtung schränkt unsere Selbstbestimmung ein. Kaum jemand schafft es, die eigene Selbstverwirklichung über die Bequemlichkeit und das Sicherheitsbedürfnis zu stellen. Das führt dazu, dass viele Menschen in einem Job festhängen, der sie langweilt, nicht ausfüllt, oft sogar krank macht.


Opfern wir unsere Träume und unsere seelische Ausgeglichenheit auf dem Altar der Luxusgüter?

Unsere Selbstbestimmung tauschen wir gegen materielle Dinge ein, die uns nicht wirklich glücklich machen. Zwar macht uns das Nachdenken über ein Objekt unserer Begierde glücklich, doch kaum besitzen wir es, nutzt sich das Glück meist sehr schnell ab, und wir wollen etwas anderes.


Nur frei sein macht glücklich

Unsere Freiheit ist also in Gefahr, wenn wir unsere Selbstbestimmung zugunsten einer Verpflichtung aufgeben oder einschränken. Bevor wir uns voll und ganz auf jemanden einlassen, sollten wir uns selbst hinterfragen. Ist die Entscheidung, für die Liebe die Freiheit aufzugeben, eine Entscheidung, die auf unserer Selbstbestimmung beruht? Dann sind wir auch nach der freiwilligen Freiheitsaufgabe im Grunde frei. Tun wir es, um den Erwartungen der Gesellschaft und des Partners gerecht zu werden, dann bleiben wir in Unfreiheit gefangen. 
Bevor wir langfristige finanzielle Verpflichtungen eingehen, sollten wir uns klarmachen, was das für unsere zukünftigen Lebensoptionen bedeutet. Fakt ist: Wir können uns unsere Selbstbestimmung zurückerobern. Das funktioniert, indem wir unser Sicherheitsdenken überwinden, loslassen und auch schwierige Gespräche führen. Am Ende winkt das, was uns Menschen so unendlich viel bedeutet: Freiheit. Selbstbestimmung. Glück. Es kann aber auch sein, dass wir aufgrund unseres grenzenlos anmutenden Freiheitsstrebens allein zurückbleiben
.


Freies Denken und die Freiheit des Handelns in Gefahr?

Und wie verhält es sich mit dem freien Denken? Nun ja, zwar dürfen wir denken, was wir wollen, aber wir sagen nicht immer, was wir denken – sei es aus Rücksichtnahme oder weil wir dadurch Probleme bekommen könnten. Freiheit ist also ein relativ dehnbarer Begriff. Dennoch ist Freiheit uns Menschen wichtig. Wie wichtig sie ist, wird uns seit der Corona-Krise bewusst. Denn nun sind Dinge, die für uns bislang selbstverständlich waren, plötzlich nicht mehr möglich oder nicht erlaubt. Wir werden in unserer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, wir dürfen keine kulturellen Veranstaltungen mehr besuchen, uns nicht mit Freunden treffen. Viele sehen sich dadurch in ihren Grundrechten beschnitten. Ist dem wirklich so? Bedeutet Freiheit, dass man tun und lassen kann, was man möchte, ohne Rücksicht auf andere und ganz gleich, ob andere dadurch Nachteile haben? Das wäre ein recht fragwürdiges Ausleben von Freiheit. Es wäre der Beginn von Egoismus. Doch wo liegt die Grenze zwischen dem Recht auf Freiheit und dem persönlichen Egoismus? Wer und nach welchen Maßstäben darf und kann die im Grundgesetz zugesicherten Freiheitsrechte einschränken und wann ergibt sich die Notwendigkeit der gesetzlich angeordneten Nächstenliebe, die über der Entscheidungsfreiheit des Individuums steht? Mit Fragen dieser Art müssen sich frei denkende Menschen beschäftigen, so wie mit dem Begriff der Freiheit selbst, denn Freiheiten zu erkämpfen, ist mühsam; sie zu verlieren oder ihrer beraubt zu werden, dagegen sehr einfach.