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Verschwörungstheorien – die Macht der einfachen Wahrheiten



Sie begegnen einem täglich, sei es in Dokumentationen und Filmen, in Gesprächen und Artikeln oder in den Büchern, die man liest. Offensichtlich oder vielleicht auch nur unbewusst und insgeheim kam jeder schon mit mindestens einer Verschwörungstheorie in Berührung. Einige glauben sogar bekennend daran und verbreiten sie bei Familienfeiern oder im Internet, um ihre anscheinend neu gewonnenen Erkenntnisse und Wahrheiten mit der Welt zu teilen, sich von anderen darin bestätigen zu lassen und eventuell zu Schutzmaßnahmen aufzufordern. 
Es gibt Verschwörungstheorien, die nicht gar so gravierende Auswirkungen haben, andere führen jedoch dazu, dass Menschen einen erheblichen Schaden davontragen, der bis zum Tod führen kann.. Um diesem umfangreichen Thema etwas näher zu kommen, soll zunächst einmal geklärt werden, wie der Begriff „Verschwörung“ überhaupt definiert ist. 


Was sind Verschwörungen und was thematisieren ihre Theorien? 

Als Verschwörung bezeichnet man die geheime Zusammenarbeit einer Gruppe, die den Nachteil anderer Personen zur Folge hat. Sie unterscheidet sich von der sogenannten Konspiration, welche die Zusammenarbeit mehrerer Personen mit einer einheitlichen Zielsetzung bezeichnet, bei der fremder oder öffentlicher Einblick bewusst verhindert werden soll. Beispiele für solche Konspirationen sind Agenten sowie Geheimdienste. Das Komplott ist nichts anderes als die Verschmelzung von Verschwörung und Konspiration.

Eine Verschwörungstheorie ist demnach der Versuch, ein Ereignis oder eine Entwicklung durch eine Verschwörung zu erklären. Eine Gruppe will mir als außenstehender Person schaden oder mich sogar ermorden. Dass sich dieses Denken auch auf andere Personen projizieren lässt, zeigt sich anhand der im Beitrag folgenden Beispiele. Aber auch historische Ereignisse, Naturphänomene oder Katastrophen sind nicht ausgeschlossen von den teilweise sehr außergewöhnlichen Verschwörungstheorien.


Seit wann gibt es „Verschwörungen“?

Schon in der Antike und später auch im Mittelalter tauchten unterschiedliche Verschwörungstheorien zu verschiedenen Themen auf. Man kann sogar sagen, sie sind so alt wie die Menschheit selbst. Für die Französische Revolution und andere Ereignisse sowie ungewöhnliche Phänomene wurden wechselnd die Freimaurer oder der Illuminatenorden verantwortlich gemacht. Zum Holocaust trugen die zahlreichen antisemitischen Verschwörungstheorien, die ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stetig zunahmen, einen bedeutenden Teil bei. Denn den jüdischen Menschen wurde vorgeworfen, dass sie für Rituale Kinder ermorden, Brunnen, die ganze Dörfer versorgen, vergiften und nichts Geringeres als die Weltherrschaft an sich reißen wollen würden. Vorurteile wie diese können eine sehr gefährliche Eigendynamik entwickeln und lassen sich nicht so schnell wieder aus der Welt schaffen. Dass sie die Denkweise vieler Menschen nachhaltig beeinflussen, zeigt sich noch heute.


Welches sind die bekanntesten Verschwörungstheorien?

Eine der frühsten Theorien ist die der Hexenlehre, durch die der Volksglaube geprägt wurde, dass es Hexen gäbe, die in Zusammenarbeit mit dem Teufel für Naturkatastrophen und Krankheiten verantwortlich wären. Diese Verschwörungstheorie hatte die jahrhundertelange Verfolgung und Hinrichtung von angeblichen Hexen und Hexern zur Folge.

Ebenfalls schon sehr alt, jedoch mit weniger fatalen Folgen für die Bevölkerung verbunden, ist die Verschwörungstheorie des Mannes mit der eisernen Maske, bei dem es sich um einen Staatsgefangenen von Ludwig XIV. handelt. Wie auch die grausamen Hexenverbrennungen liefert diese Theorie den Stoff für unzählige Romane und deren Verfilmungen. Alexandre Dumas schrieb darüber im Zusammenhang mit den drei Musketieren und 1998 spielte Leonardo DiCaprio die Hauptrolle im gleichnamigen Film. Dafür erhielt er jedoch wie so oft leider keinen Oscar.

Natürlich sind gerade prominente Persönlichkeiten beliebter Mittelpunkt für Verschwörungstheorien. Das Attentat auf John F. Kennedy beispielsweise soll nicht von einem Einzeltäter, sondern je nach Theorie von der CIA oder von der Mafia verübt worden sein. Marilyn Monroe hingegen sei nur deshalb ermordet worden, weil sie eine Affäre mit ihm gehabt habe. Auch interessant sind die Theorien, die besagen, dass Elvis Presley unter Ausschluss der Öffentlichkeit weiterlebe oder dass Paul McCartney hingegen schon lange gestorben und durch einen Doppelgänger ersetzt worden sei.

Verschwörungstheorien müssen jedoch keinesfalls personengebunden sein. Sie können genauso gut außerirdisches Leben, die Geschichte, Krankheiten oder wissenschaftliche Annahmen betreffen. Denn obwohl schon Platon logisch schlussfolgerte, dass die Erde eine Kugel sein müsse, gibt es noch heute die sogenannte „Flat-Earth-Society-These“, die besagt, dass die Erde kein kugelrunder Planet, sondern eine Scheibe sei.

Historische Ereignisse werden von Verschwörungstheorien oftmals geleugnet. So gibt es Theorien, in denen behauptet wird, dass es den Holocaust nie gegeben habe und auch die Mondlandung nicht stattgefunden haben könne. Der Terroranschlag vom 11. September 2001 ist ebenfalls ein beliebtes Ereignis und wird von Verschwörungstheoretikern als vom US-Geheimdienst geplant dargestellt. Als inszeniert gelten der Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School und der Anschlag auf den Boston Marathon, jeweils mit den Zielen, Waffengesetze zu verschärfen und Angst vor dem Islam zu intensivieren.

Zu Zeiten der „Fridays for Future“-Bewegung werden Verschwörungstheorien rund um das Thema Erderwärmung wieder präsenter, obgleich es sie schon einige Zeit vorher gab. Darin wird angeführt, dass die globale Erwärmung entweder nicht real oder zumindest menschengemacht ist. Der Klimawandel wird also auch schlicht und einfach geleugnet. Weshalb er erfunden wurde, ist für die Verschwörungstheoretiker klar: um Forschungsgelder abzugreifen und den Sozialismus weltweit einzuführen.

Gerade neuartige Krankheiten, wie AIDS oder auch das Coronavirus, sind ab dem Zeitpunkt ihres Auftretens häufig Ausgangspunkt für neue Verschwörungstheorien. Sie werden als Biowaffen bezeichnet, die in einem Labor gezüchtet und dann entweder absichtlich auf die Menschheit losgelassen wurden oder unbeabsichtigt ausgebrochen sind. Gerade aus aktuellem Anlass könnte man an dieser Stelle noch unzählige weitere Verschwörungstheorien rund um das Coronavirus zusammentragen.

Das Internet trägt dabei massiv zur Verbreitung von falschen Informationen bei, auf die sich einige Verschwörungstheorien stützen. So werden beispielsweise Theorien geteilt, die einen Geheimplan der Regierung aufdecken sollen oder kommerzielle Gründe in Verbindung mit einem patentierten Impfstoff gegen das Coronavirus anführen. Teilweise wird die Pandemie aber auch als normale Grippewelle bezeichnet. Das Virus sei schon älter und bekannt, nur der Coronatest sei neu und schuld daran, dass uns das Virus überhaupt auffalle. Andere behaupten, dies wäre die gerechte göttliche Strafe für all die menschlichen Sünden der letzten Jahre.

Die Ausgangssperre wird von einigen als Vorwand gesehen, um unbemerkt, still und heimlich, eine große Anzahl von Flüchtlingen ins Land zu bringen. Diese Theorie hat Ähnlichkeiten mit der „Umvolkungstheorie“, die durchaus als gefährlichste der letzten Jahre angesehen werden kann. Sie ist vermehrt von Attentätern angeführt worden, die darin eine Rechtfertigung für ihre teils rassistisch motivierten Anschläge sehen.


Warum gibt es Verschwörungstheorien?

Besonders wichtig für ein zufriedenes und glückliches Leben ist für viele Menschen die klare Unterscheidung und Einteilung der Welt in Gut und Böse. Geschieht etwas Schlechtes, ist es für sie einfacher zu glauben, dass dies durch jemanden herbeigeführt wurde, der schlechte Absichten hat. Schwieriger ist es hingegen, zu glauben, dass etwas von allein und willkürlich passiert oder dass es sogar dem eigenen Versagen oder Unwissen zuzuschreiben ist. Deshalb sind Vorurteile und das damit verbundene Misstrauen eine gefährliche Grundlage von Verschwörungstheorien, die Feindbilder reproduzieren.

Gerade in Krisensituationen entsteht für die Menschen ein Kontrollverlust, den sie durch Theorien kompensieren, die wieder Struktur und Muster in ihr Leben bringen. Als gewohnheitsliebende Individuen sind uns neben diesen Strukturen besonders auch Gründe wichtig, jedoch ist es schwer, überdimensionale Folgen auf eine banale Ursache zurückzuführen. Nicht ohne Grund werden Verschwörungstheorien demnach als Fluchtorte des Geistes bezeichnet.

Ein anderer Erklärungsansatz ist, dass wir das gesteigerte Bedürfnis haben, einzigartig zu sein. Das Behaupten, dass etwas ganz anders ist, wertet auf und man fühlt sich als einzelne Person besser. Findet man beispielsweise im Internet Gleichgesinnte, wird das Gefühl stark, zu einer besser informierten Gruppe zu gehören und trotzdem die individuelle Einzigartigkeit zu bewahren.

Auch Verschwörungstheorien können natürlich einen finanziellen Aspekt aufweisen. In Verbindung mit Krankheiten lassen sich oft alternative Behandlungsmethoden und Mittel finden, die man käuflich erwerben kann und deren Notwendigkeit mithilfe einer Verschwörungstheorie begründet wird. Das Impfen wird von einigen Theorien geradezu verteufelt und auch gegenüber der Einnahme von Antibiotika wird eine ablehnende Haltung eingenommen.


Die schwierige Suche nach der Wahrheit

Eigenständig denken und Informationen infrage stellen ist wichtig.  In der Geschichte der Menschheit hat man sich oft auch bei den offiziellen Wahrheiten der „alternativen Fakten“ bedient, um zu manipulieren oder einen bestimmten Zweck zu verfolgen. Das Bedürfnis frei denkender Menschen, sich nicht blind auf den Wahrheitsgehalt öffentlicher Erklärungen zu verlassen, sich nicht für dumm verkaufen zu lassen, ist verständlich und berechtigt. 

Bei den einfachen Wahrheiten für eine komplizierte Welt, der sich Verschwörungstheoretiker gern bedienen, müssen wir allerdings vorsichtig sein. Das kritische Hinterfragen ist wichtig. Und es ist gesellschaftlich ebenfalls wichtig,  die Verbreitung falscher Erklärungen oder gefährlicher Halbwahrheiten einzudämmen.